8.März|Warum Schülerinnen*, Sorge-Arbeiterinnen* und Pädagoginnen* am 08.März streiken sollten!

[Drei Aufrufe des Kölner Frauen*streikbündnisses]

Wie auch Du als Schülerin* beim Streik eine Rolle spielen kannst.

Hast du oft das Gefühl, dass Dir als Mädchen* ganz viele FREIHEITEN genommen werden?
Ist dir aufgefallen, dass „pussy“ ein Schimpfwort ist, aber „Du hast Eier!“ ein Kompliment?
Du bist Muslima und musst Dich immer dafür rechtfertigen, (k)ein Kopftuch zu tragen?
Du fühlst Dich im Sportunterricht unwohl, weil Du Dich in Deiner Sportleggins angestarrt fühlst oder von den Jungs immer als „schwächer“ abgestempelt wirst?
Fühlst Du Dich wie eine Drogendealerin, wenn Du ganz heimlich ein Tampon an eine Freundin weitergibst?
Du stehst eigentlich auf Mädchen*, traust Dich aber nicht, es jemandem zu erzählen?
Du kannst nicht auf Partys gehen, ohne angegeilte Blicke, Sprüche oder Pfiffe miterleben zu müssen?
Bemerkst Du zu Hause, dass Deine Mutter viel mehr im Haushalt arbeitet und weniger verdient als Dein Vater?

Du hast das alles satt und willst eine respektvolle Welt, in der DU und alle anderen frei und selbst bestimmen, wer und wie sie sein WOLLEN – ohne benachteiligt, diskriminiert und in Junge-Mädchen-Schubladen gepresst zu werden?!

Dann STREIK!
Am 8. März ist FRAUENKAMPFTAG! Überall auf der Welt werden Frauen zeigen, dass ohne ihre Arbeit die Welt STILL steht.

WIE könnt Ihr als Schüler*innen mitmachen?

SCHWÄNZEN!
Je mehr, desto wirkungsvoller! Sprecht Euch untereinander ab, bildet Gruppen – gemeinsam seid Ihr stark! Wenn Ihr Sorge
um die Folgen habt, redet mit Euren Eltern – vielleicht schreiben sie Euch eine Entschuldigung für den Tag!

SOCIAL MEDIA!
Habt Ihr das Gefühl, als Mädchen* gibt es Dinge, die viel zu selten laut ausgesprochen werden? (Bsp.: „Ich habe meine
Tage!“ / „Ich bin lesbisch/bisexuell!“ / „Ich spiele gern Fußball!“ / „Ich liebe pink!“ / „Ich trage keinen BH!“ etc…)
Macht ein Bild von Eurem Mund oder stellt Euch in einer Gruppe zusammen und bastelt Sprechblasen mit Euren Statements!
Dazu schreibt Ihr beim Hochladen die Hashtags #siesagt und #frauenstreik!
Feiert Eure Vielfalt! Mädchen* können alles sein!

UNTERRICHT UMGESTALTEN!
Bittet Eure Lehrerinnen darum, am 8. März über besondere Frauenthemen zu sprechen. Sprecht z.B. in Geschichte über
das Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht und die Sufragetten-Bewegung, diskutiert in Politik/SoWi, was der Gender Pay Gap ist, redet in Biologie über Homo- und Transsexualität, erfahrt in Kunst mehr über bedeutende Künstlerinnen* und lernt in
Physik etwas über spannende Erfinderinnen*.

DEMONSTRIEREN!
Frauen*Streik Demonstration in Köln:März // 17 Uhr // Köln Hbf Vorplatz
Sei mit dabei! Bastelt Schilder, malt Transparente oder werdet anders kreativ!

Aufruf der SORGE-ARBEITERINNEN* zum FRAUEN*STREIK!

FrauenStreik heißt SorgeStreik! Warum?

Als Care-Arbeit (also „Sorgearbeit“) wird die Arbeit bezeichnet, bei der in verschiedener Art und Weise für jemanden „gesorgt“ wird. Das kann also Altenpflege, Krankenversor-gung, Kindererziehung oder auch Hausarbeit sein. Sorgearbeit, ob unbezahlt oder bezahlt, wird auch heute noch hauptsächlich von Frauen* ausgeführt und als typisch „weiblicher“ Beruf abgestempelt. über 70 Prozent der Hauptpflegepersonen sind Frauen*. Oftmals sind sie mehrfach belastet, weil sie neben ihrer beruflichen Tätigkeit zu Hause zusätzliche Sorgearbeit in ihrer Familie leisten müssen – 88% der Frauen in Deutschland zwischen 25-49 Jahren betreuen/erziehen täglich Kinder, aber nur 62% der Männer. Bei der Hausarbeit und dem Kochen ist der Unterschied noch größer: 72% der Frauen verrichten diese Aufgaben täglich, aber nur 29% der Männer (Eurostat und Statistisches Bundesamt 2016).

Existenzsorgen und emotionale/physische Belastungen werden zum Problem der einzelnen Care-Arbeiterinnen reduziert. Immigrierte Haushaltshilfen, häufig Frauen, und als informelle Laien-Pflegekräfte eingesetzte Arbeitslose werden schamlos ausgebeutet. Darunter leiden nicht nur alle CareArbeiterinnen, sondern auch die Patient*innen! Der Kapitalismus, der nur auf Profitmaximierung abzielt, macht auch vor dem Pflege- und Gesundheitssystem keinen Halt: der
Geldbeutel entscheidet darüber, welcher Körper es am meisten wert ist, gesund gepflegt zu werden. Geflüchteten wird der
Zugang zu sozialen und gesundheitlichen Rechten verwehrt. Pflege- und Erziehungsdienste sind unterfinanziert und sind
gezwungen, marktwirtschaftlich wettbewerbsfähig zu sein.

Wenn wir also am 8. März zum weltweiten Frauen*Streik aufrufen, sollen auch (oder vor allem) die schlechten Bedingungen
und die Abwertung bezahlter und unbezahlter Care-Arbeit im Vordergrund stehen!

Gemeinsam wehren wir uns!
Care-Arbeit ist die für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unabdingbar. Sie ist aber nicht selbstverständlich und schon
lange nicht weniger wert, nur weil sie nicht der dumpfen Profitmaximierung dient! Deshalb sagen wir: STREIKT, Care-Arbeiterinnen* – für eine solidarische Welt, die sich nach den wahren Bedürfnissen und Fähigkeiten der Menschen richtet!

WIE könnt Ihr streiken?

KÄMPFERISCHE MITTAGSPAUSE | Vernetzt euch mit Kolleginnen* und organisiert gemeinsam eine Protestaktion während
Eurer Pause. Von einer Fotoaktion mit Forderungen für Euren konkreten Arbeitsbereich auf Schildern oder Transpis,
bis zu einem Infostand, um auch vorbeigehende Kolleg*innen zu erreichen, ist vieles denkbar.

SICK OUT | Kollektives Krankschreiben für denselben Tag!

GOOD WORK STRIKE| Angestellte eines französischen Krankenhauses weigerten sich bspw. Medikamentenrechnungen,
Therapiescheine oder Labortests wie vorgeschrieben zu dokumentieren. Die Pflegekräfte hatten so mehr Zeit und alle Patient*innen bekamen kostenlos eine bessere Behandlung.

BETRIEBSVERSAMMLUNG EINBERUFEN |… um über Sexismus am Arbeitsplatz, ungleichen Bezahlungen oder geschlechtlicher Arbeitsteilung zu reden.

SOLIDARITÄT ZEIGEN | Ob durch das das Tragen von lila Halstüchern, dem Austeilen von Flyern, dem gut sichtbaren
Raushängen eines Geschirrspültuchs zum Fenster als Symbol für Haus- und Care-Arbeit oder dem Anpinnen des Streik-Logos an Eurer Kleidung – auch wenn Ihr nicht streiken könnt, gibt es Möglichkeiten, sich solidarisch zu zeigen!

Warum auch Du als Pädagogin* beim Streik eine Rolle spielst.

Fühlst Du Dich mit Deiner wichtigen Aufgabe als
Pädagogin von Staat und Gesellschaft nicht ausreichend wertgeschätzt und anerkannt? Wünschst Du Dir, dass die Bedeutung Deiner Arbeit nicht nur durch Lippenbekenntnisse der Politik „anerkannt“ wird, sondern sich auch durch eine faire Bezahlung bemerkbar macht? Möchtest Du endlich die gleichen beruflichen Chancen wie Deine männlichen Kollegen und Wertschätzung für
Deine weiblich konnotierte Arbeit?
Wünschst Du Dir mehr Diversität an Kita und Schule?
Dann beteilige Dich am FRAUEN*-STREIK
am 8. März 2019 und kämpfe mit uns
für Deine Rechte!

Kinder sind unsere Zukunft – das wird auch von der Politik
gerne behauptet. Doch in der beruflichen Praxis wird diese
Tatsache kaum wertgeschätzt. Lehrerinnen und Erzieherinnen
haben einen der wichtigsten Jobs in dieser Gesellschaft:
die Bildung und Erziehung der künftigen Generationen. Pädagogische
Berufe sind stark weiblich* dominiert – Kindererziehung
und Schulbildung gelten als Care-Arbeit (Sorge-Arbeit),
sie sind Frauen*-Sache. Doch je höher das Ansehen und die
Bezahlung in der Hierarchie der pädagogischen Berufe stehen desto weniger Frauen* sind vertreten! Sind an Grundschulen
noch zum allergrößten Teil weibliche Lehrkräfte vorhanden
(von KiTas ganz zu schweigen – dort gibt es einen akuten
Mangel an männlichen Erziehern), wird der Anteil in Gymnasien
und anderen weiterführenden Schulen immer kleiner. An
den Unis ist der Anteil weiblicher Professorinnen verschwindend gering. Der Staat (und auch viele Eltern) sieht Kindererziehung durch Pädagoginnen als eine Selbstverständlichkeit an. Pädagogischer
Alltag endet oft nicht nach Feierabend – es geht darum,
jedes einzelne Kind so einfühlsam und professionell wie möglich
zu fördern, emotionalen Halt zu bieten, Vorbild zu sein,
Bildung zu vermitteln, einen adäquaten Raum zur Entfaltung zu
schaffen, Kindertränen zu trocknen, genau hinzusehen –
wir vom Frauen-Streik finden: Du hast mehr verdient! Auch das Thema TransIdentität oder Inter* – ein Coming Out
an Schule oder Kita ist immer noch ein großes Tabu für Erzieher*
innen und Lehrer*innen.

WIE könnt Ihr streiken?
KÄMPFERISCHE MITTAGSPAUSE | Organisiert gemeinsam
mit Kolleginnen* eine Protestaktion während Eurer Pause. Von
einer Fotoaktion mit Forderungen für Euren konkreten Arbeitsbereich
auf Schildern oder Transpis, bis zu einem Infostand, um
auch vorbeigehende Kolleg*innen zu erreichen, ist vieles
denkbar.
SICK OUT | Kollektives Krankschreiben für denselben Tag!
BUMMELSTREIK| Verbummelt die Arbeit und bringt ihren
Prozess ins Stocken! Ihr legt die Arbeit nicht komplett nieder,
sondern leistet “Dienst nach Vorschrift”.
BETRIEBSVERSAMMLUNG EINBERUFEN |… um über Sexismus
am Arbeitsplatz, ungleichen Bezahlungen oder
geschlechtlicher Arbeitsteilung zu reden.
SOLIDARITÄT ZEIGEN | Tragt lila Halstücher, teilt Flyer aus,
hängt Geschirrspültücher zum Fenster raus als Symbol für
Haus- und Care-Arbeit oder pinnt Euch das Streik-Logo an Eure
Kleidung – auch wenn Ihr nicht streiken könnt, gibt es Möglichkeiten,
sich solidarisch zu zeigen!