Tag gegen Gewalt an Frauen? Warum dich das als Mann jucken sollte…

Am 25. November 1960 wurden die drei Schwestern Minerva, Patria und Maria Mirabal, alle drei im Widerstand gegen den blutigen dominikanischen Diktator Trujillo aktiv, von dessen Henkern auf hinterhältige Weise hingerichtet. Ihre Leichen wurden in einen Jeep gesteckt, den man die Bergseite hinunterfahren ließ, um einen Verkehrsunfall vorzutäuschen.

Die Ermordung der Schwestern Mirabal rief nicht nur gegen das Regime Trujillos weltweit Empörung und Hass hervor. Überall auf der Welt verstanden Frauen die Bedeutung dieses Attentats. Sehr bald wurde aus dem Gedenken an die Schwestern Mirabal eine Kampfansage an jegliche Art von Gewalt an Frauen. Seit 1981 wird deswegen am 25. November der Tag gegen Gewalt an Frauen veranstaltet.

Bis heute sind die verächtlichen Umstände, gegen welche die Frauen damals auf die Straße gegangen sind, ein unübersehbarer Teil des Lebens der Frauen weltweit. Da ist Deutschland keine Ausnahme. In einem Land, in dem 13% der Frauen angeben, Opfer von Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung oder sexueller Nötigung gewesen zu sein, in dem jede vierte Frau bestätigt, sexuelle oder körperliche Gewalt vom eigenen Partner erfahren zu haben, in einem Land, in dem nur 5% aller Sexualstraftaten angezeigt werden und nur 13% aller Anzeigen zu einer Verurteilung führen – in so einem Land kann von Geschlechtergleichheit und von Gerechtigkeit nicht die Rede sein.

Gewalt hat viele Gesichter, und auch wenn es für uns als Männer überraschend erscheinen mag, ist diese Gewalt platt ausgedrückt Alltagsrealität für jene Frauen, mit denen wir zur Schule gehen, am Morgen den öffentlichen Verkehr benutzen, im Büro arbeiten, das Dach oder sogar die Bettlaken teilen. Lasst uns ehrlich sein: wie viel wissen wir wirklich über die Gewalt, mit der unsere Mitschülerinnen, Kolleginnen, Freundinnen und Schwestern jeden Tag zu kämpfen haben? Und in wie weit sind wir nicht ebenfalls Teil dieser Gewalt? Wir brauchen uns nichts vorzumachen: von sexistischen Witzen und Urteilen über „schlampige Kleidung“ oder „zu viel Make-up“ bis hin zu lästiger Anmacherei und übergriffigem Verhalten – wie oft haben wir selber diesen Angriffen auf Frauen schweigend zugesehen oder selber an ihnen teilgenommen, Frauen nicht ernstgenommen, selber mitgelacht, den Finger gezeigt oder die Hand auf eine Frau gelegt, obwohl wir wussten, dass sie es nicht wollte?

Genau deswegen geht uns der 25. November auch als Männer etwas an. Es geht nicht darum ein „guter Mann“ zu sein; wir müssen ihren Kampf endlich ernstnehmen. Solange wir durch unser Verhalten Frauen Steine in den Weg legen und ihnen das Recht auf ein würdevolles Leben absprechen, solange wird ihr Kampf fortdauern – und solange werden auch wir mit Eigenschaften behaftet sein, die uns entmenschlichen, wie Frauenfeindlichkeit, Mackertum und Chauvinismus.

Lasst uns unsere Männlichkeit ablegen, dem Sexismus keine Chance geben und die kämpfenden Frauen auf der ganzen Welt zum 25. November begrüßen und auf die Straße rufen!

Männer von Young Struggle

0 Kommentare