100 Jahre Oktoberrevolution

Es gibt bestimmte Zeitpunkte in der Geschichte, die maßgeblich für den weiteren Verlauf sind. Akteure sind immer die Unterdrücker und Unterdrückten, Bühne ist immer die gesellschaftlich-objektive Situation, die bestimmt wird durch das Niveau der jeweiligen Produktionsverhältnisse. Es gibt Tage in der Geschichte, die nie vergessen werden, weil sie die Richtung der Geschichte gelenkt haben, Abzweigungen oder Lösungen waren. So gab es auch 1917 genau „10 Tage, die die Welt veränderten“. Unser heutiges Sein ist unmittelbar gebunden an diese 10 Tage, unsere Zukunft ebenso. November 1917 ist der Anfang vom Ende der langen Geschichte der Klassengesellschaften. Sie hat nicht nur die allgemeine Krise des Imperialismus eingeleitet, sondern auch die Morgenröte des Kommunismus.

Allgemeine Krise des Imperialismus und Oktoberrevolution

Gestern war es zu früh, morgen wäre es zu spät, sagte Lenin. Die Zeit für die Revolution war gekommen. Mit den Aprilthesen stellten die Bolschewiki das Programm der Revolution auf. „Alle Macht den Sowjets“ war die Parole der Zeit. Die Krise des bürgerlichen Russlands nach der Februarrevolution, die sich in der Doppelherrschaft zeigte, musste überwunden werden. Der bürgerliche russische Staat war schwach, das imperialistisch-kapitalistische System in einer Krise, die Neuaufteilung im Zuge des ersten imperialistischen Weltkriegs schwächte die imperialistischen Staaten und ließ kollektive Lösungen nicht zu; die Frage war, wie dieses imperialistische Netz zerrissen werden konnte. Die Aprilthesen waren in dieser Hinsicht nicht nur Programm der Partei, sondern eben auch Antwort auf diese Schlüsselfrage in der Zeit vom „Übergang von der ersten Etappe der Revolution, die infolge des ungenügend entwickelten Klassenbewußtseins und der mangelhaften Organisiertheit des Proletariats die Bourgeoisie an die Macht brachte, zur zweiten Etappe, die die Macht in die Hände des Proletariats und der armen Schichten der Bauernschaft legen muß.“ Die Praxis stellte den Kommunisten immer wieder neue Herausforderungen. Nicht nur der Imperialismus war in einer tiefen Krise, sondern auch die internationale Arbeiterbewegung. Der sozialchauvinistische Verrat der führenden Parteien der II. Internationale, die ideologische Krise um die Hegemonie in der Sozialdemokratischen Partei Russlands und viele andere Diskussionen/Konflikte schafften tiefe Brüche und Spaltungen in der Bewegung. In einer solchen Zeit sind die Thesen Lenins, die an Klarheit nicht zu übertreffen sind, wegweisend und maßgeblich für die Organisierung der Revolution. Diese Klarheit ist ein hervorragendes Beispiel für das theoretisch-praktische Bewusstsein Lenins. Seine unversöhnerische Haltung gegenüber Opportunismus, Chauvinismus und der bürgerlichen Linken hat den Weg zur sozialistischen Oktoberrevolution eröffnet.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestand im Zarenreich Not, Hunger und Elend. Die Menschen verspürten einen Hass gegen die Unterdrücker. Schon im Jahr 1903 fand ein Rom Kongress statt, wo Lenin seine revolutionären Gedanken mit den Menschen teilte. Die, die sich ihm anschließen und den selben Weg gingen, nannte man an dem Moment an „Bolschewiki“ (dt.: Mehrheit). Am 22. Januar1917 demonstrierten Tausende von Arbeiter*Innen gegen den Krieg. Sie wollten keinen Krieg, der nicht zu gewinnen war. Auch die Petrograder Frauen demonstrierten am 8. März und forderten mehr Nahrungsmittel.

Die eingesetzten Truppen weigerten sich, auf die Demonstranten zu schießen. Als Zar Nikolaus merkte, dass er nicht einmal die Kontrolle über seine eigenen Truppen besitzt und die ausführende Gewalt in seinen Händen hält, dankte er am 15. März ab.
Noch am selben Tag bildeten sich als Vertretung die sogennanten „Sowjets“ (dt.: Räte). Diese sollten bis zu den nächsten Wahlen provisorisch regieren. Sie wollten den Krieg gegen Deutschland weiterführen und für Russland erfolgreich beenden. Doch die Bolschewiki setzten sich für die sofortige Beendigung des Krieges und die Enteignung der Gutsbesitzer ein.

Im Juli gab es dann Demonstrationen gegen die Kriegspolitik der Provisorischen Regierung und führende Bolschewiki wurden verhaftet. Lenin flüchtete vorübergehend nach Finnland. Aber schon kurz nach der Niederlage der Bolschewiki wurden sie bei den Neuwahlen zum Petrograder Sowjet wiedergewählt. Daraufhin führten Lenin und die Bolschewisten einen bewaffneten Aufstand durch.
Sie verhafteten die Provisorische Regierung und erklärten die Übernahme der Macht. Am 17. Oktober 1917 verwirklichte sich die Oktoberrevolution und Lenins Führung. Sie breitete sich von Petrograd aus in ganz Russland.

So hatte das Volk die Dinge gesichert, für die es gekämpft hat:

  • unverzüglicher Abschluss eines demokratischen Friedens
  • Abschaffung des Eigentumsrechts der Gutsbesitzer auf dem Land
  •  Arbeiterkontrolle über die Produktion
  • Schaffung einer Sowjetregierung
  • Vorwort der Weltrevolution

Der Klassenkampf ist seinem Inhalt nach international, der Form nach national. Das heißt, dass der Krieg zwischen der Bourgeosie und dem Proletariat ein allgemeiner, weltlicher ist. Der konkrete Klassenkampf der Form nach bestimmt sich nach den konkreten Gegebenheiten eines Gebietes, unter kapitalistischen Verhältnissen einer Nation. Demnach führt das klassenbewusste deutsche Proletariat einen Kampf gegen den Kapitalismus im Allgemeinen, aber konkret gegen die deutsche monopolistische Bourgeosie und seinen bürgerlichen Staat. Das heißt aber nicht, dass das deutsche Proletariat seine historische Mission vollbracht hat, wenn es den Sozialismus in Deutschland aufbaut. Der Sozialismus kann endlich siegen und zum Kommunismus übergehen, wenn die kapitalistisch-imperialistische Hegemonie auf der Erde zerschlagen ist. Die sozialistische Weltrevolution und ihr Ergebnis, die Föderation der sozialistischen Sowjetrepubliken ist also das Endziel des klassenbewussten Proletariats.

Eine grundlegende Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus ist aber die seiner ungleichmäßigen Entwicklung. Der Kapitalismus entwickelt sich in den verschiedenen Regionen und Nationen ungleichmäßig schnell. Dies zeigt sich offen bei der Herausbildung vom Imperialismus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten sich in einigen kapitalistischen Staaten wie England, Deutschland und Frankreich schon Monopole gebildet, obwohl im Großteil der Welt noch nicht einmal kapitalistische Verhältnisse der freien Konkurrenz herrschten. Es gab sogar noch Gebiete, in denen es noch urgesellschaftliche Verhältnisse gab.

Die Frage, wo die Revolutionen ausbrechen werde, war eine der grundlegendsten Fragen der Zeit. Marx und Engels gingen davon aus, dass Länder, in denen die kapitalistische Produktion schon entwickelt ist, die Zentren des Ausbruchs werden. Davon konnten sie ausgehen, weil zu ihrer Zeit nur in diesen Staaten (England, Frankreich, Deutschland etc.) eine moderne Arbeiterklasse bestand, die als revolutionärste Klasse die kapitalistische Ausbeuterordnung zerschlagen kann.

Vor dem Ersten imperialistischen Weltkrieg konzentrierten sich die Widersprüche des imperialistischen Weltsystems in Deutschland, sodass die 2.Internationale und Lenin davon ausgingen, dass Deutschland Zentrum der Revolution werden würde. Trotz einigen subjektiven Versuchen vonseiten der kommunistischen Bewegung (Spartakusaufstand etc.), erlebten die Revolutionen Niederlagen. Im ersten imperialisten Weltkrieg rutschte das revolutionäre Zentrum auf Russland. Anders als zur Zeit Marx‘ hatte sich der Kapitalismus weiter ausgebreitet, auch in Russland gab es in den industriellen Städten eine moderne Arbeiterklasse, die Kommunist*Innen waren in ihr verankert und der Kapitalismus hatte ein neues Stadium, den Imperialismus erreicht. In diesem neuen Stadium war die materielle Grundlage für das Bündnis zwischen Arbeiterklasse und den unterdrückten Völkern fruchtbarer geworden.

Revolution brechen aus revolutionären Situationen heraus. Eine revolutionäre Situation hat drei Voraussetzungen. Erstens können die Herrschenden nicht mehr so regieren wie bisher, zweitens wollen die Unterdrückten nicht mehr so regiert werden wir bisher und drittens muss eine allgemeine Krisensituation herrschen. Wo wird eine solche revolutionäre Situation unter imperialistischen Verhältnissen ausbrechen? In den starken kapitalistischen Zentren oder in den Gebieten, in denen gesellschaftliche Widersprüche konzentrierter herrschen? Die Oktoberrevolution hat genau gezeigt, dass Revolutionen am schwächsten Glied der Kette des Imperialismus ausbrechen werden.

Die Oktoberrevolution ist eine praktische Antowort auf viele Diskussionen der internationalen sozialistischen Bewegung. Die Frage des Umsturzes des kapitalistischen Staates und der „Diktatur des Proletariats“ oder des reformistischen Übergangs durch parlamentarische Demokratien teilte die 2.Internationale. Kautzky und andere Führer des sozialchauvinistischen Lagers stellten sich mit unzähligen revisionistischen Argumenten auf die Seite des bürgerlichen Staates im Weltkrieg und verrieten die internationale Arbeiterklasse. Die internationale kommunistische Bewegung schaffte als Gegenpol die Dritte Kommunistische Internationale, die selbst ein theoretisches und organisatorisches Ergebnis der Oktoberrevolution ist.

Die Oktoberrevolution und die daraus enstandene Union der sozialistischen Sowjetrepubliken haben sich zu einem Stützpunkt des internationalen modernen Proletariats und der internationalen kommunistischen Bewegung gegen das imperialistische Weltsystem und die internationale Finanzoligarchie entwickelt. Mit der Oktoberrevolution hatte das Weltproletariat nun auch eine Heimat. Der Kompass der Oktoberrevolution hat aber in Richtung Weltrevolution gezeigt.

*Ein Artikel aus der neusten Ausgabe unserer sozialistischen Jugendzeitschrift Young Struggle

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