Befreiungsbewegungen im Kampf gegen die Pandemie

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In den Bergen und Dschungeln Kolumbiens, In den Regenwäldern auf den Inseln der Philippinen, in der großen Naturvielfalt Chiapas , dort wo Menschen revolutionäre Strukturen von unten aufbauen, weil der Staat ihnen keine Wahl lässt, dort wo die Guerilla herrscht, auch dort kann die Covid-19 Pandemie sich ausbreiten. Die neoliberale Regierung in solchen Ländern wo ein revolutionärer Kampf tobt hat weder die Kapazitäten noch den Willen die gesamte Bevölkerung vor der Pandemie zu schützen. Wie aber gehen revolutionäre Organisationen gegen eine globale Pandemie vor?

In den Bergen und Dschungeln Kolumbiens: ELN schafft Gegenmacht

Nach Angaben des Cundinamarca Superior Tribunal gab die Regierung von Präsident Ivan Duque nicht mehr als 36% der vor dem Notfall versprochenen Hilfe ab und ließ mehr als 80% der indigenen und afro-kolumbianischen Communities ohne medizinische Versorgung zurück. Während sich die Oligarchen der kolumbianischen Regierung gegenseitig für ihr Versagen die Schuld zuschieben, leisten revolutionäre kolumbianische Organisationen humanitäre Hilfe, die für viele der verarmten ländlichen Bevölkerung lebenswichtig ist. Die Ejército de Liberación Nacional (ELN, deutsch Nationale Befreiungsarmee) ist eine kommunistische politisch-militärische Organisation in Kolumbien, welche unter Einfluss der Theorien von Gramsci das Konzept der Volksmacht entwickelte. Konkret bedeutet das; die ELN baut Gegenstrukturen auf und füllt Machtvakuen der Regierung. In Guerilla-Gebieten gibt es ein eigenes Verwaltungssystem und die Kommunist*innen unterstützen Selbstverwaltungsstrukturen in Gemeinden, Indigenen Communities, etc. Ende Mai veröffentlichte die ELN ein Video in welchem zu sehen ist, wie uniformierte Guerilleros und Guerilleras der gestión humanitaria ELN ( Humanitäre Verwaltung ELN ) Säckeweise Nahrung an die ländliche Bevölkerung abgeben und sie über das Virus aufklären. Gezeigt wird wie ELN Mitglieder die Menschen über das COVID-19 Virus unterrichten und erklären wie sie sich gegen das Virus schützen können. Und eins ist sicher: In Bezug auf das Tragen von Masken sind die ELN praktisch Pioniere.

Auf den philippinischen Inseln: Kommunist*innen starten Kampagne gegen Covid-19

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP) mobilisierte ihren bewaffneten Arm (NPA) zusammen mit revolutionären Massenorganisationen für eine Kampagne um die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern. Die NPA verfügt über medizinische Einheiten, welche beauftragt wurden, die kommunale und individuelle Hygiene, der sich in den Guerilla-Gebieten befinden Menschen zu stärken, sich um Infizierte zu kümmern und älteren und schwangeren Frauen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sie führten Kontrolluntersuchungen durch und verteilten pflanzliche Arzneimittel gegen Fieber, Husten und Erkältungen. Darüber hinaus wies die KPP ihre Mitglieder in den Städten an, ähnliche Massenkampagnen durchzuführen und gleichzeitig die Nachfrage nach Massentests und anderen Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erhöhen.

Chiapas; Mexico. EZLN und Corona

Die Zapatistische Armee der nationalen Befreiung (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) hat in ihren Dörfern und Gemeinden die Alarmstufe Rot ausgerufen. In einem Kommuniqué erklärte ein stellvertretende EZLN-Kommandant, Grund für die gesundheitlichen Maßnahmen in den Zapatistischen Gebieten seien der leichtfertige Umgang der mexikanischen Regierung mit der Pandemie. Statt die gebotenen Maßnahmen zu ergreifen, um die Gefahr abzuwenden, werde ein humanitäres Problem für gegenseitige Schuldzuweisungen instrumentalisiert. Die EZLN betonte die übrigen Kämpfe nicht zu vernachlässigen und formulierten folgende Beschlüsse:

  • 1. Den Alerta Roja, die Alarmstufe Rot, in unseren Pueblos, Comunidades und Barrios – unseren Gemeinschaften – und in allen zapatistischen Organisierungsinstanzen zu erlassen.
  • 2.  Den Räten der guten Regierung und den Räten der Autonomen, rebellischen zapatistischen Landkreise, die sofortige komplette Schließung aller Caracoles und Zentren des Widerstands und der Rebellion zu empfehlen.
  • 3.  Den (zapatistischen) Unterstützungsbasen und jeglicher (zapatistischer) Organisierungsstruktur zu empfehlen, einer Reihe außerordentlicher Hygiene-Empfehlungen und -Maßnahmen zu folgen, die ihnen in den zapatistischen Pueblos, Comunidades, Barrios übermittelt werden.
  • 4.  Angesichts der Abwesenheit der schlechten Regierungen: Alle – Frauen, Männer und Andere – in Mexiko und der Welt zu mahnen, die notwendigen Gesundheitsmaßnahmen zu ergreifen, auf wissenschaftlichen Grundlagen, die es Euch erlauben, diese Pandemie zu überstehen – und zwar lebend.
  • 5.  Wir rufen dazu auf, den Kampf gegen die Gewalt der Feminizide nicht aufzugeben, den Kampf in Verteidigung von Land und Madre Tierra fortzuführen, den Kampf für die Verschwunden gemachten, ermordeten und Eingeknasteten aufrechtzuerhalten – und die Fahne des Kampfs für die Menschheit hochzuhalten.
  • 6.  Wir rufen dazu auf, nicht den menschlichen Kontakt zu verlieren, sondern zeitweise die Formen zu ändern, um uns wissen zu lassen, wir sind uns Compañeras, Compañeros, Compañeroas und Schwestern, Brüder, Schwestern-Brüder.

In einer kapitalistischen Gesellschaft funktionieren privatisierte Institutionen nicht nach einem rationalen Plan, welcher für alle Menschen einer Gesellschaft funktioniert, sondern diese privatisierten Institutionen folgen den Gesetzen der Marktwirtschaft und des Wettbewerbs; Sie arbeiten, um Profite für Kapitalisten zu generieren. Auch ein privatisiertes Gesundheitswesen handelt nach diesen Gesetzen. Wie oft hörte man etwa Skandale aus der Pharmaindustrie? Auf lebenswichtige Medikamente werden Patente angelegt, Forschungen zu Krankheiten gestoppt, weil diese sich nicht als profitabel genug erweisen etc. etc. etc. Die Covid-19-Pandemie zeigt nicht nur die Notwendigkeit, das öffentliche Gesundheitssystem zu stärken, sondern auch die Notwendigkeit, einen echten demokratischen Staat zu schaffen, der die Interessen und das Wohlergehen der Menschen wirklich priorisiert und berücksichtigt. Der Kapitalismus hat diesen unsichtbaren und tödlichen Feind nicht direkt hervorgerufen – er ist aber der größte Feind in unserem Kampf gegen ihn.