Der Kapitalismus und Epidemien

Epidemien werden immer nur als Einzelfälle betrachtet, welche in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Dies ist auch bei dem jetzt neu aufgetretenen Coronavirus, COVID-19, der Fall, der sich inzwischen schon zu einer Pandemie entwickelt hat. Diese Betrachtungsweise ist aber nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Die aufgetretenen Epidemien, wie zum Beispiel auch Ebola, SARS und HIV, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem kapitalistischen System. Dieses fördert durch die Umweltzerstörung die Entstehung von Epidemien.
Deshalb wird dieser Artikel erläutern, wie sich ein Virus von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann, und inwiefern der Kapitalismus dies durch die industrielle Landwirtschaft und Wildtierwirtschaft befördert. Außerdem soll versucht werden auch eine mögliche Perspektive aufzuzeigen, um gefährliche Epidemien verhindern zu können.

Die Übertragung von Viren auf den Menschen durch Tiere

Mehrere der tödlichsten Epidemien und Pandemien hatten ihren Ursprung bei Tieren. Dies ist der Fall bei dem jetzt neu aufgetreten Coronavirus COVID-19, welches mutmaßliche von Fledermäusen auf einen Zwischenwirt übertragen wurde und dann auf den Menschen übersprang, und welches bis jetzt 681.000 Menschen infiziert hat und 32.000 Menschen getötet hat. Aber auch bei anderen Epidemien und Pandemien, wie der Spanischen Grippe, wurde das Virus von Tieren auf den Menschen übertragen. Diese brach 1918 wahrscheinlich in Nordamerika aus und verteilte sich auch aufgrund des Ersten Weltkrieges in der ganzen Welt. An der Spanischen Grippe starben etwa 35 Millionen Menschen, was einer Sterblichkeitsrate von etwa 7 Prozent entspricht. Der Ursprung des Virus, welcher die Pandemie auslöste, lag bei Vögeln, welche den Vogelgrippevirus in sich trugen, und welcher mutierte und so seine Gefährlichkeit entwickelte.
Damit Viren von einem Tier auf den Menschen überspringen können, muss sich der Virus so verändern, dass er das menschliche Immunsystem überwinden kann und eine Möglichkeit entwickelt die menschlichen Zellen zu befallen. Diese Veränderung des Virus kann auf zwei unterschiedliche Weisen entstehen. Entweder durch die Veränderung des Virus bei der eigenen Vermehrung, der sogenannten Mutation, oder durch den Austausch von tierischem und menschlichem Erbgut, wodurch Mischviren entstehen können, welche auch auf den Menschen übergehen können.

Die kapitalistische Landwirtschaft und Wildtierwirtschaft führen zu neuen Epidemien

Die Übertragung dieser Viren auf den Menschen wird verstärkt, beziehungsweise wahrscheinlicher gemacht, durch die Ausweitung des Kapitalismus, vor allem durch die kapitalistische Landwirtschaft. So werden weltweit die Wälder, hauptsächlich Regenwälder, gerodet, um neue Anbauflächen für Ölpalmen oder Soja für die Futterherstellung anzubauen. Zusätzlich werden große Flächen der Regenwälder bewusst durch Brände zerstört, um neue Anbauflächen zu gewinnen und zur Förderung von anderen Rohstoffen. Diese Vorgehensweise war letztes Jahr vor allem in der Amazonas-Region, besonders jedoch in Brasilien zu sehen. Dort wurden die Brandrodungen von der faschistischen Regierung Bolsonaros gebilligt und begünstigt.
Aber auch in anderen Teilen der Erde, wie zum Beispiel in Indonesien werden immer mehr Fläche des Regenwaldes gerodet, damit Ölpalmen und Soja für die Tiernahrung angebaut werden können. Diese Entwicklung wird auch hier durch die weitere Erschließung von Rohstoffen in den Regenwäldern verstärkt. Diese voranschreitende Zerstörung der Natur ist überall auf der Welt zu sehen. Der Grund
für diese Zerstörung ist, dass hauptsächlich multinationale Unternehmen in einem ständigen Konkurrenzkampf befinden und versuchen müssen, dass diese sich immer im Wachstum befinden. Dies hat zur Folge, dass nicht nach den Bedürfnissen der Menschen produziert wird, was zu einem geringeren Flächenverbrauch führen würde. Stattdessen produzieren die kapitalistischen Unternehmen, um ihren Profit zu maximieren, woraus sich ergibt, dass mehr produziert wird als benötigt wird. Diese Überproduktion ergibt sich aus dem Gedanken, dass die einzelnen Unternehmen es schaffen würden jeweils ihren produzierten Anteil umzusetzen und die anderen Unternehmen jeweils weniger. Diese Wirtschaftsweise führt nicht nur zur Zerstörung der Heimat von indigenen Völkern und des Lebensraumes der dort heimischen Tiere, sondern fördert auch die Entstehung von gefährlichen Epidemien.

Durch die Zerstörung ganzer Ökosysteme werden Krankheitserreger, meist Viren, freigesetzt, die bisher in diesem gebunden waren. Dies geschieht dadurch, dass zum einen, der Stress auf die Tiere, welche einen Krankheitserreger in sich tragen, durch die Zerstörung ihres Lebensraumes wächst. Das hat zur Folge, dass das Immunsystem dieser Tiere geschwächt wird und die Krankheiten ausbrechen können. Dadurch brechen die Krankheitssymptome aus, welche dazu führen, dass sich die Krankheit verbreiten kann. Außerdem erhöht sich durch eine starke Vermehrung der Viren die Mutationsrate, das heißt es erhöht sich die Häufigkeit, mit welcher sich die Viren verändern. Durch diese Mutation können sich die Viren so verändern, dass sie auch für den Menschen oder andere tierische Wirte ansteckend und gefährlich werden.
Zusätzlich wächst durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume der Tiere die Nähe zwischen den Wirtstieren, also Tieren, die Viren in sich tragen, und dem Menschen. Das geschieht zum einen dadurch, dass der Mensch immer stärker in die Lebensräume der Tiere eindringt und sich dort aufhält, um zu arbeiten. Zum anderen, finden viele Tiere in Städten einen neuen Lebensraum. Durch diese beiden Entwicklungen wächst die Möglichkeit, dass durch Austausch von genetischen Informationen zwischen Menschen und Tieren Mischviren entstehen, an welchen der Mensch erkranken kann. Außerdem können auch Viren durch die Nähe zu Tieren, die so mutiert sind, dass sie auch Menschen infizieren können, einfacher auf den Menschen überspringen. Dies hat zur Folge, dass sich besonders in Städten die Viren weitflächig ausbreiten können.
Eine weitere Möglichkeit für die Übertragung von Viren auf den Menschen entsteht durch die Ausweitung des Handels von Wildtieren. Dies umfasst zum einen den Handel mit lebenden Wildtieren, als auch den Verkauf von Wildtierfleisch. Dieser Handel entwickelt sich immer stärker zu einem eigenen Wirtschaftsfeld und muss somit immer wieder neues Wachstum erzeugen. Daraus ergibt sich der Zwang, dass die Händler von Wildtieren immer wieder Gewinne erwirtschaften müssen. Somit sind die Händler dazu gezwungen immer mehr Wildtiere zu verkaufen, oder ihr Angebot zu erweitern und somit zu ihrer Konkurrenz einen Vorteil auf dem Markt zu haben. Um diese Notwendigkeit zu erfüllen, müssen die Händler immer tiefer in die Lebensräume vordringen. Hierdurch ergibt sich dieselbe Gefahr, welche auch durch die Zerstörung der Regenwälder hervorgerufen wird. Es entwickelt sich wieder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Viren einen Menschen infizieren können, weil die Nähe zu möglichen Wirtstieren wächst. Dieses Risiko wächst bei dem Handel mit lebenden Tieren noch stärker, da hierbei die Chance eines Ausbruches von Viren erhöht wird, da die Tiere hier auch noch einem besonders starken Stress ausgesetzt sind, welchen den Ausbruch von Krankheiten fördert. Daraus ergibt sich außerdem die Situation, dass durch die Entnahme immer mehr Tiere aus den natürlichen Abläufen entnommen werden, wodurch die
Artenvielfalt abnimmt, welche die Wahrscheinlichkeit des Ausbruches einer Epidemie verringern kann.

Auch die industrielle Tierhaltung fördert die Entstehung von Epidemien. Das ergibt sich durch verschiedene Gegebenheiten. Zum einen dadurch, dass in der industriellen Tierhaltung die Tiere so gezüchtet werden müssen, dass sie maximale Gewinne erzeugen, wodurch andere natürliche Funktionen der Tiere, wie zum Beispiel das eigene Immunsystem, vernachlässigt werden. Dies macht die Tiere anfälliger für die Infizierung mit Viren. Zudem wird eine Infektion mit Krankheitserregern noch begünstigt dadurch, dass die Tiere auf engen Raum in den Ställen zusammenstehen, wodurch die Krankheitserreger von einem Tier auf ein anderes Tier sehr einfach überspringen kann. Daraus ergibt sich eine starke Infektionsrate, das heißt es können sich schnell neue Tiere infizieren, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Mutation wächst, da auch die Vermehrung der Viren hoch ist, wodurch es wahrscheinlicher wird, dass die Viren auch für den Menschen gefährlich werden. Die Infektionsrate der Viren wird zusätzlich dadurch begünstigt, dass immer wieder neue Tiere in die Ställe gelangen, die sich neu infizieren können und schon infizierte verlassen die Ställe. Daraus entwickelt sich ein perfekter Zuchtort für ansteckende und gefährliche Viren. Dieser Zustand wird von der industriellen Tierhaltung in Kauf genommen, um die eigenen Gewinne zu maximieren.

Somit ist die Rolle der kapitalistischen Wirtschaft zentral für den Ausbruch von Epidemien. Dies ergibt sich aus der, von der kapitalistischen Wirtschaft vorangetriebenen, Umweltzerstörung, wodurch der Austausch von Viren zwischen Tieren und Menschen wahrscheinlicher wird. Durch die Übertragung der Viren kann sich schnell eine Epidemie entwickeln.

Der Grund für das zerstörerische Wirtschaften im Kapitalismus

Das bedeutet die Gefahr von Epidemien wird im Kapitalismus in Kauf genommen, da in der kapitalistischen Produktionsweise dem tendenziellen Fall der Profitrate durch eine Erweiterung der Produktion entgegengewirkt werden muss. Dadurch folgt, dass immer stärker in die Umwelt eingegriffen werden muss, damit die Konzerne nicht in ihrer Konkurrenz untergehen, indem sie die Profitraten oben halten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass der Produktionsumfang immer weiter erweitert werden muss. Daraus ergibt sich die voranschreitende Umweltzerstörung, welche durch die Rodung vorangetrieben wird. Um die Profirate aufrecht zu erhalten, müssen die Konzerne immer neue landwirtschaftliche Flächen erschließen, um hauptsächlich Ölpalmen und Soja für die Produktion von Futtermitteln anzubauen, damit sie versuchen können sich gegen ihre Konkurrenz durch die Erweiterung ihrer Produktion und die sich daraus ergebene Beibehaltung oder Erhöhung ihrer Profitrate durchzusetzen. Diese Notwendigkeit ergibt sich auch in der industriellen Tierhaltung, wo durch den Versuch die Kosten der Produktion möglichst gering zu halten die Profitrate gleich oder erhöht werden soll. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass die Tiere so gezüchtet werden, dass sie einen möglichst großen Ertrag erzeugen. Die Erhöhung der Profitraten wird zudem noch dadurch begünstigt, dass sich viele Tiere auf engem Raum befinden, wodurch besonders viele Tiere an einem Ort gehalten werden können, was den Profit eines Standortes noch weiter erhöht. In der Wildtierwirtschaft ergibt sich der Zwang die Profitrate zu steigern aus der Gegebenheit, dass immer mehr Tiere aus den natürlichen Ökosystemen entnommen werden müssen, damit die Konzerne sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen können.

Die Lösung ist die Überwindung des Kapitalismus

Somit ergibt sich aus diesen Gründen die Notwendigkeit für die Überwindung des Kapitalismus und die Errichtung eines sozialistischen Staates, welcher als eine seiner zentralen Aufgaben sieht, den Riss zwischen der Umwelt und dem Menschen zu heilen, also die Entfremdung des Menschen von der Umwelt zu überwinden. Dies bedeutet ein Ende der kapitalistischen Produktionsweise in den Bereichen der Landwirtschaft und der Wildtierwirtschaft, also ein Ende der profitorientierten Produktion und dem Beginn einer Produktion, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und somit alleine schon die benötigte Fläche und die benötigten Ressourcen reduziert. Zudem muss die Produktion vergesellschaftet werden und es ist notwendig, damit Umweltzerstörung vermieden wird und die Versorgung mit Lebensmitteln garantiert ist, dass diese Produktion geplant wird. Somit ergibt sich hieraus die Notwendigkeit, die industrielle Tierhaltung, Landwirtschaft und den kapitalistischen Wildtierhandel zu beenden und durch eine sozialistische und ökologische Produktion zu ersetzen, damit auch Epidemien und Pandemien, wie COVID-19, vermieden werden können.

Corona ist nicht unpolitisch

Das Corona-Virus ist auch bei uns in Deutschland angekommen und wir können die Augen nicht mehr vor der Krise verschließen. Die Gefahr für das Leben tausender Menschen dürfen wir nicht weiter unterschätzen und kleinreden. Der Rassismus gegenüber asiatisch aussehenden Menschen, das Wegsetzen in der Bahn von migrantischen Menschen haben offensichtlich nicht geholfen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Also muss sich vielleicht doch ein anderer Umgang mit der Krise überlegt werden. Einer, der auf Solidarität statt auf Egoismus setzt, damit nicht nur unsere eigenen Omas, sondern alle Omas die Chance haben, noch einmal die Sommersonne zu genießen.

Der Virus ist nicht nur eine Krankheitsfrage. Die Betroffenen der Corona-Krise sind nicht nur die Menschen, die krank werden oder in der Risikogruppe sind. Betroffen sind all die Menschen mit unsicheren Jobs in Bars, Kneipen, auf Events, etc. – die jetzt plötzlich völlig ohne Einkommen dastehen. Denn während die Geschäfte vielleicht schließen, werden unsere völlig überhöhten Mieten weiter eingetrieben und unser Essen weiter Geld kosten.  Betroffen sind die Arbeiter*innen, die weiter zur Arbeit geschickt werden, während die Kitas ihrer Kinder geschlossen sind. All die, die kein Geld für den Supermarkt haben, aber deren Tafel aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde.

Die Menschen, die mit etlichen anderen auf engstem Raum in Geflüchtetenheimen zusammengepfercht sind und gleichzeitig eine extrem schlechte Gesundheitsversorgung haben. Dem Virus mag es egal sein, ob er die Körper von Männern, Frauen, LGBTI*, Arbeiter*innen, Hartz-IV-Empfänger*innen oder Millionären, Schwarzen und People of Colour oder Weißen angreift. Aber die Probleme, die Unterdrückung und Ausbeutung, die wir erfahren, werden durch den Virus nicht verschwinden, sondern noch stärker. Wer kann sich jetzt schützen, wer kann sich die beste Versorgung und das gesündeste Essen leisten, um wen wird sich am meisten gekümmert  und wer hat das Privileg, mit viel Platz im Einfamilienhaus zu sitzen, wer muss täglich mit hunderten anderen Menschen im Aufzug zur Wohnung fahren oder ist direkt mit etlichen anderen in einem Heimzimmer zusammengepfercht? – das sind einige der Fragen, die sich jetzt stellen und stellen werden. Die Widersprüche zwischen den Klassen, zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, werden sich auf jeden Fall verschärfen. Deshalb ist diese Zeit keine unpolitische Zeit, sondern eine Zeit der Klassenkämpfe: für gute und gleiche Versorgung, gegen unhygienische und unzumutbare Lebensbedingungen, für ein sicheres Einkommen für alle. 

Die Wirtschaftskrise wird nicht bloß vom Virus kommen

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft, genau wie auch die gesamte Weltwirtschaft, hart. Die Weltwirtschaft hatte sich in vielen Teilen nie von dem letzten großen Crash 2008 erholt. Besonders im letzten Jahr haben sich auch hier in Deutschland mit vielen Entlassungen und wenig Profiten die Anzeichen für den Beginn einer neuen Krise schon sichtbar gemacht. Die Maßnahmen, die jetzt gegen Corona ergriffen werden müssen, um die völlig unkontrollierte Ausbreitung und den völligen Kollaps unseres Gesundheitssystems zu verhindern, treffen die Wirtschaft auf jeden Fall hart und beschleunigen und vertiefen die Krisenentwicklung. Wir dürfen aber nicht darauf hereinfallen, wenn die mögliche Wirtschaftskrise als “Naturkatastrophe” und als “völlig unabhängig vom Kapitalismus” dargestellt wird. Eine Überproduktionskrise hat sich auch vor Corona schon angebahnt und würde auch ohne die Pandemie früher oder später eintreten. Das Einbrechen globaler Produktionsketten, die Unsicherheit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen haben aber natürlich auf einen Schlag die nächste Krise extrem näher kommen lassen. 

Die Welt dreht sich weiter

Nächste Woche, am 19. März, ist das Massaker von Hanau einen Monat her. Kein Mensch redet gerade mehr über die Unklarheiten in den Ermittlungen dazu, über die Organisierung der Faschisten, über die faschistischen Zellen bei den Bullen, u.s.w. Die geflüchteten Menschen auf den griechischen Inseln sind immer noch unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt und wenn die Krankheit bei ihnen ankommen sollte, wird das einem Massaker gleichen. All diese Dinge dürfen wir nicht vergessen. Wenn wir uns jetzt nur noch zuhause einsperren und abwarten, dann werden wir diesen Kampf verlieren. Dann werden wir uns nicht wundern müssen, wenn in ein paar Wochen unsere Omas mit gesetzlicher Versicherung und Mini-Rente keinen Platz im Krankenhaus mehr bekommen.

Solidarität ist unsere Waffe

Im Kampf gegen die Folgen des Virus wie auch gegen die Kapitalisten ist Solidarität unsere Waffe. Das mag strange klingen, ist aber letztlich so. Wir müssen jetzt untereinander solidarisch sein, damit niemand sich beim Einkaufen in Lebensgefahr bringen muss; damit kein Kleinkind ohne Betreuung bleibt; damit kein Mensch ohne Kohle hungert, weil die Tafel zu ist und damit kein Mensch völlig vergessen wird und vereinsamt. Konkret bedeutet das:    Hygiene ist keine persönliche Frage, sondern eine Frage von Solidarität gegenüber allen Menschen um uns herum und eine Grundvoraussetzung, um unsere politische und soziale Arbeit irgendwie weiterführen zu können.   

Wir müssen sofort die Nachbarschaftsnetzwerke in unseren Vierteln stärken und mit helfen, sie gezielt aufzubauen, sodass nichts und niemensch vergessen wird. Dafür gibt es Telegramgruppen, Kontaktflyer, die in den Hauseingängen aufgehängt werden können, etc.    
Wir müssen trotz aller Einschränkungen solidarisch sein mit den Menschen, die nicht direkt neben uns sind. Die Kämpfe um die Lebenssituation der Geflüchteten sind gerade jetzt unglaublich wichtig und müssen weiter geführt und unterstützt werden.    
Wir müssen die Folgen des Kapitalismus auf unsere Gesundheitsversorgung, das Krisenmanagement des Staates usw. gerade jetzt aufdecken, ankreiden und für Gerechtigkeit für all die Menschen, die jetzt Angst um ihr Leben und ihre Existenz haben müssen, kämpfen.  

Schwere Zeiten erfordern Kreativität

Es ist klar, dass wir jetzt erstmal keine Solikonzerte, keine großen Veranstaltungen und Treffen und auch nicht unbedingt Demos machen sollten, wenn wir solidarisch sein wollen. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass unsere politische Arbeit kein Hobby ist und es nicht um etwas geht, das gerade so für ein paar Wochen ausgesetzt werden könnte, während auf Lesbos jeden Tag Menschen in Lebensgefahr sind, etc. Was es jetzt braucht, ist Kreativität: Wie können wir unsere Inhalte und Proteste online ausdrücken? Wie können wir diese Zeit auch gerade für (Online-)Bildungen nutzen? Wie können wir der Vereinzelung entgegenkommen? Indem wir uns vielleicht im Park vor den Wohnhäusern hinsetzen und etwas Musik machen für die Menschen? Indem wir im Freien und ohne zu große Menschenansammlungen Essensverteilungen organisieren? Die Reden der abgesagten Kundgebung überall in Tonaufnahmen aus den Fenstern schallen lassen? Wir müssen Kreativität zeigen, aber wir werden eins klarstellen: unsere Kämpfe gehen weiter. Weder werden wir irgendwen im Stich lassen, noch werden wir uns oder anderen die Rechte nehmen lassen. Solange wir ausgebeutet werden, werden wir Widerstand leisten.

Die aktuelle Krise stellt uns vor viele Herausforderungen. Lasst sie zu einer Zeit werden, auf die wir einmal zurückblicken und sagen können: Wir haben aus der Krise eine revolutionäre Möglichkeit gemacht.