#StayAtHome in your inhumane refugee camps

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Neben Corona gibt es noch andere wichtige Themen, über die aktuell leider sehr wenig berichtet wird. Auf der ganzen Welt sind Millionen von Menschen auf der Flucht und leben in menschenunwürdigen Geflüchtetencamps. Eines dieser Camps ist Kutupalong im südöstlichen Bangladesch an der Grenze zu Myanmar. Dort leben circa 640.000 Menschen, die meisten von ihnen Rohingya, die aus Myanmar vertrieben wurden.


Bei den Rohingya handelt es sich größtenteils um sunnitische Muslime, die keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft haben. In ihrem Heimatland drohen ihnen deshalb unter anderem Menschenrechtsverletzungen, sexuelle Übergriffe und Folter. Bereits seit den 60er Jahren werden Muslime in Myanmar systematisch diskriminiert.


In dem Land herrschte lange Zeit eine Militärdiktatur und auch jetzt, mit einer zivilen Regierung, hat das Militär immer noch erheblichen Einfluss. So wurde die Ausgrenzung erst möglich gemacht.


In Myanmar gibt es viele verschiedene Kulturen und Sprachen, das Land ist deshalb föderalistisch aufgeteilt. Andere Religionsgruppen sind als offizielle ethnische Gruppen anerkannt und haben deshalb ein Recht auf die myanmarische Staatsbürgerschaft.


In diesem Camp gibt es, wie in den meisten Camps, keinen Zugang zu Trinkwasser, Lebensmitteln, medizinischer Versorgung oder gar Bildung. Es leben viele Kinder dort, deren Zukunft seit Jahren zerstört wird. Ein Großteil der dort lebenden Menschen ist unterernährt und sexuellen Gewaltübergriffen und Angriffen ausgesetzt. Hilfsorganisationen wird nur selten erlaubt, dort einzugreifen und medizinische Notfälle zu behandeln. Anderweitig ist es schwierig, Ärzte dort hinzubekommen.


Seit vielen Jahren gibt es dieses Camp und in den letzten Jahren hat sich die Anzahl der dort lebenden Menschen vervielfacht. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist es besonders gefährlich, da die Menschen dort keine Möglichkeit haben, sich von anderen fernzuhalten oder sich in Quarantäne zu begeben. Und dabei ist Corona nicht der einzige Virus, der sich dort ausbreiten könnte. Viele andere Epidemien drohen, jederzeit auszubrechen.


Wir machen uns also Gedanken darüber, dass wir unsere Freunde für ein paar Wochen nur online sehen können, dabei sind es Zeiten wie diese, wo uns erst recht bewusst wird, welche Missstände es auf der Welt gibt.


Wir fordern deswegen, dass dieses Camp sofort evakuiert wird und jedes einzelne Menschenleben gerettet wird!

Die Pandemie der Klassenherrschaft

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Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben auf den Kopf gestellt. Maskenkriege zwischen den bürgerlichen Staaten, Kontakt- und Ausgangssperren, die Angst um unsere Nächsten wie um die gesamte Gesellschaft, Überlastung der kaputt gesparten Gesundheitssysteme, krass steigende Zahlen von häuslicher Gewalt, besonders jetzt unmenschliche Lebensumstände in den völlig überfüllten Geflüchteten-lagern – das Leben befindet sich im Ausnahmezustand.

Der Kapitalismus steckt in einer existenziellen Krise

Die Arbeitslosenzahlen besonders in den USA schnellen rasant in die Höhe, hier in Deutschland wird massenhaft Kurzarbeit angemeldet, sodass der Staat mit Steuergeldern für einen Teil der Löhne der Arbeiter*innen einspringt. “Corona löst eine Wirtschaftskrise aus” heißt es von überall. Durch die Auswirkungen der Pandemie sind die Entwicklungen zur nächsten Wirtschaftskrise beschleunigt worden. Wirtschaftskrisen sind im Kapitalismus unvermeidlich , weil die unkontrollierte Produktion, die ständig gesteigert wird, sich nicht mehr mit der Nachfrage deckt. Durch die Krisen, die einbrechen, “regeneriert” sich die kapitalistische Wirtschaft, indem das Überangebot vernichtet wird, neue Möglichkeiten zur Gewinnung von Profit geschaffen werden. In der Geschichte gab es verschiedene Krisen, die extrem tief waren und zu einer neuen Qualität im kapitalistischen System geführt haben: Ende des 19. Jahrhunderts wurden die letzten nicht-kapitalistischen Teile der Erde kolonisiert und in den Kapitalismus integriert, um neue Märkte und Produktionsorte zu schaffen. Anfang des 20. Jahrhunderts trat der Kapitalismus in das Stadium des Imperialismus ein und schaffte durch die großen imperialistischen Monopole neue Formen der Ausbeutung und der Wirtschaft. Ende des 20. Jahrhunderts dann, als alle Regionen längst kolonialisiert, alle ehemaligen sozialistischen Staaten in den kapitalistischen Weltmarkt integriert worden waren, trat der Kapitalismus wieder in eine tiefe Krise ein und schaffte es nur hinaus durch die Entwicklung zur imperialistischen Globalisierung. Für das Kapital sind heute alle Staatengrenzen aufgehoben, das spekulative Finanzkapital (Kapital, das nicht wirklich materiell vorhanden ist, sondern mit dem auf den Finanzmärkten praktisch gewettet wird) ermöglicht es durch seine Kredite, Krisen aufzuschieben – aber spätestens die Weltwirtschaftskrise 2008 hat gezeigt, dass nur von einem Aufschieben und Aufstauen der Widersprüche gesprochen werden kann; in dem Moment, in dem die Krise letztlich ausbricht, ist sie noch viel gewaltiger.  Genauso konnten wir sehen, dass eine Erholung nicht mehr möglich ist. Der Kapitalismus befindet sich in einer existenziellen Krise. Das bedeutet, dass die Wirtschaftskrisen nicht mehr zu einer Weiterentwicklung genutzt werden können, dass Erholung nicht mehr möglich ist, sondern dass wir uns in einem permanenten Krisenzustand befinden. Der Kapitalismus befindet sich seiner Form nach in einer Krise:  Er findet keine Möglichkeiten mehr, sich weiter auszudehnen, das weltweite Kapital weiter zu konzentrieren oder auf eine andere Weise der Entwicklung der Produktivkräfte gerecht zu werden. Der Kapitalismus steckt in einer existenziellen Krise und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie tun nichts anderes, als die Entwicklungen einer Rezession/Krise, die auch hier in Deutschland schon vorher prognostiziert worden waren, zu beschleunigen und die Widersprüche, die dieses System zerfurchen, noch offensichtlicher vor unsere Augen zu stoßen. 

2019: Jahr der Aufstände

Besonders das letzte Jahr war ein Jahr der Aufstände. Überall auf der Welt, besonders in Lateinamerika und im Mittleren Osten, wurden wir Zeug*innen gewaltiger Massenproteste und Aufstände. Verbunden wurden sie durch die Ablehnung von Neoliberalismus (besonders in Lateinamerika, aber auch weltweit) und auch übriggebliebener feudaler Herrschaft (besonders im Mittleren Osten). An etlichen Orten in der Welt mangelt es den Arbeiter*innen an der grundlegendsten Versorgung und gegen diese nackte Ausbeutung sind sie von Chile bis in den Libanon in Massen auf die Straßen geströmt. Die Aufstände waren nicht auf einzelne Länder beschränkt, sondern haben einen regionalen Charakter, die Wut der Arbeiter*innen und Unterdrückten hat sich nicht an Ländergrenzen aufhalten lassen. Die Fridays For Future-Bewegung wie die Streikbewegung der Frauen* haben dabei sogar ein globales Ausmaß erreicht. Alle diese Proteste gegen die Unterdrückung aufgrund des Geschlechts, gegen die ökologische Zerstörung, gegen die staatliche Gewalt und die Verteuerung grundlegender Bedürfnisse richten sich letztlich gegen Patriarchat und Kapitalismus und die Bewegungen haben auch ein unterschiedlich starkes Bewusstsein dafür entwickelt. 

Massenproteste in Chile 2019

Faschistischer Aufschwung

Die Gegenseite zu den Aufständen ist der Aufschwung des Faschismus überall in der Welt. Faschistische Herrscher wie Erdogan in der Türkei, Bolsonaro in Brasilien, Duterte auf den Philippinen oder auch Trump in den USA sind die Köpfe des weltweiten Aufschwungs des Faschismus. Weltweit ist Faschisierung und Repression die Antwort der herrschenden Klasse auf die gesellschaftlichen Widersprüche, die sich zuspitzen. Im Zustand seiner existenziellen Krise kann der Kapitalismus seine inneren Widersprüche nicht auflösen, es muss mit der ständigen Möglichkeit  von Aufständen gerechnet werden und Aufstandsbekämpfung wird zu einer der höchsten Prioritäten in der Organisierung der kapitalistischen Staaten. Wir sehen in allen Ländern, in denen Aufstände ausgebrochen sind und die Arbeiter*innen für ihre Rechte gekämpft haben, wie ihre Schreie nach Freiheit niedergeknüppelt wurden und die Bewegungen mit Repressionen überzogen wurden. Die Kapitalisten brauchen jedoch keine Massenbewegung mit brennenden Fackeln vor ihren Türen, um Aufstandsbekämpfung und Faschisierung auf die Tagesordnung zu setzen: in seiner existenziellen Krise ist das System so instabil, sind die Widersprüche so tief, dass Bewegungen sich in jedem Moment an etwas entzünden können und die Kapitalisten jeden Augenblick nutzen, mögliche Aufstände durch Repressionen schon im Keim zu verhindern. Hier in Deutschland sehen wir das an der AfD, die zu einer normalen und weiter wachsenden Kraft im Parlament wird, deren faschistischen Positionen sich jedoch sämtliche bürgerliche Parteien seit Jahren auch schon annähern. Auch hier in Deutschland ist der Staat mit den G20-Prozessen, den Repressionen gegen die kurdische Befreiungsbewegung und den Polizeigesetzen schon lange auf dem Weg zum Überwachungsstaat und verschärft die Repressionen gegen linke politische Bewegungen ständig. 

Der Virus kennt keine Klassen, die Bourgeoisie schon 

Der Corona-Virus scheint wie der unsichtbare Feind der gesamten Menschheit zu sein, der ungesehen, ungehört, unbemerkt hinter jeder Ecke lauern könnte und darauf wartet, ein neues zufälliges Opfer anzuspringen. Fakt ist: der Virus kennt keine Klassen – die Bourgeoisie jedoch schon. Der Virus kann jeden Menschen infizieren und theoretisch jeden Menschen, besonders aber alte und vorerkrankte Menschen, töten. Zwischen der theoretischen Möglichkeit, an dem Virus zu sterben und der praktischen Möglichkeit von Infizierung und Behandlung liegen jedoch Welten: ob du in einem Geflüchteten-lager ohne wirkliche Hygiene mit hunderten anderen Menschen zusammen eingesperrt bist hat zum Beispiel einen großen Einfluss darauf. Oder ob du die Mittel hattest, trotz deiner Lohnarbeit auf deine Gesundheit zu achten; ob du die Möglichkeit hast, dich ohne Probleme zu isolieren und nicht zwingend weiter auf Lohnarbeit draußen angewiesen bist, etc. Das Problem in der Pandemie liegt darin, dass die Gesundheitssysteme weltweit dank der heiligen Lehre des Neoliberalismus bis auf’s Mark zusammengespart worden sind. Das Problem liegt darin, dass die Forschung nach einem Impfstoff für das SARS-Virus unvollendet abgebrochen wurde, weil es nicht genügend Profit gebracht hat. Das Problem liegt darin, dass ein guter Teil der Krankenhäuser in Deutschland in privater Hand sind und trotzdem Corona-Stresstest für das Gesundheitssystem gerade Kurzarbeit angemeldet haben, weil sich der Betrieb sonst nicht mehr rentiere. Das Problem liegt darin, dass ein Großteil der Betriebe weiterhin offen ist und die Arbeiter*innen weiterhin unter Infektionsgefahr zur Arbeit geschickt werden für Produkte, deren Nachfrage gerade zusammenbricht – während wir mit der Begründung von Infektionsgefahr von den Straßen gezogen werden, wenn wir unter allen Sicherheitsvorkehrungen für die Evakuierung der zum Bersten gefüllten Geflüchteten-lager protestieren. Die allgemeine Risikogruppe des Virus lautet zwar “alt und vorerkrankt”, aber die inoffiziellen Risikogruppen sind Geflüchtete, Arbeiter*innen, Unterdrückte.

Die große Umverteilung

Die Bundesregierung hat in der großen Panik um die deutsche Wirtschaft in der Corona-Krise schnell reagiert und ein hochgepriesenes Wunderheilmittel namens Konjunkturpaket verabschiedet. Sie steht damit nicht alleine, die Maßnahmen ähneln sich in den meisten Ländern in der Welt. Es werden 3 Milliarden Euro in die Krankenhäuser gesteckt und dagegen 200 Milliarden alleine an direkten Beteiligungen an Großkonzernen gegeben, dazu noch Garantien und Kredite, die sich alle zusammen auf über eine Billion belaufen. Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige sollen 50 Milliarden Euro bekommen. Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung ist eine gigantische Umverteilungsmaßnahme, es ist ein riesiges Geschenkpaket an Großkonzerne. In erster Linie geht es darum, Großkonzerne mit Steuergeldern zu retten, wenn es nötig ist, aufzukaufen und ihre Verluste damit zu vergesellschaften. Später, wenn sie wieder profitabel werden, werden die Aktien wieder verkauft und die Gewinne wieder privatisiert. Der Staat handelt im Interesse der Großkapitalisten, für die die kommende Krise wieder die Möglichkeit bietet, das Kapital und die Wirtschaftsmacht noch weiter in den wenigen eigenen Händen zu konzentrieren. Diese Idee des Aufkaufens ist nichts Neues. Jedoch müssen wir uns auf globaler Ebene fragen, ob solche Maßnahmen in Zeiten der imperialistischen Globalisierung überhaupt noch möglich sind: Der Prozess der Bildung und Produktion von Mehrwert ist heute globalisiert. Die Produktion eines Guts durchläuft etliche Länder, bis wirklich ein Profit aus dem fertigen Produkt geschlagen werden kann. Wollten Staaten also heute Weltmonopole aufkaufen so wie sie 1929/30 die Monopole aufgekauft haben, dann müssten sie sich auch zu Weltstaaten entwickeln, um die Geschäfte dieser Konzerne in die Hand nehmen zu können. Es ist also fraglich, mit welchen Mitteln die Bourgeoisie die kommende Krise überstehen will. Schon die letzte große Wirtschaftskrise konnte, wie wir zu Beginn des Artikels schon besprochen haben, nicht überwunden werden, sondern wurde in einen permanent schwelenden Krisenzustand überführt: das weltweite Kapital wurde noch weiter konzentriert, das spekulative Finanzkapital wurde noch weiter vermehrt, die Wirtschaft wird mit den billigen Krediten der Zentralbanken seit Jahren künstlich und instabil am Leben gehalten.

Corona in Palästina: Schwierige Distanz in engen Gassen

Die Pandemie ist eine willkommene Gelegenheit 

In Bayern wurde ein Ausnahmezustand ausgerufen, der der Landesregierung autokratische Rechte verleiht, Militär und zivile Einheiten wie die Feuerwehr werden unter das selbe Kommando gestellt.  Überall in Deutschland gibt es eine extrem hohe Polizeipräsenz auf den Straßen, um die Einhaltung der Kontaktsperre durchzusetzen, wobei Machtmissbrauch durch z.B. racial profiling (rassistische Polizeikontrollen) sehr wahrscheinlich ist. Das Versammlungsrecht wird ausgesetzt, fast alle Versammlungen werden verboten. Beim Seebrücke-Aktionstag gab es bundesweit Repressionen gegen jede Form der Aktion, selbst wenn nur mit Kreide Forderungen auf den Boden gemalt wurden. In Frankfurt wurden 15 Genoss*innen verhaftet, als mit allen Schutzvorkehrungen und 2 Metern Abstand eine Menschenkette gebildet wurde. Der Infektionsschutz ist dabei eine lächerliche Ausrede, wenn die Polizisten selbst zusammengequetscht in ihren Wannen angefahren kommen und dicht an dicht Reihen bilden.Die Pandemie und die begründete Sorge um die Gesundheit der Menschen werden als Ausrede für die Faschisierung des Staates genutzt. Diese Tendenz beobachten wir überall auf der Welt: in der Türkei werden alle außer den politischen Gefangenen aus den Knästen freigelassen, während diese zum Sterben drin gelassen werden, in Kolumbien wurden in den ersten 14 Tagen der staatlich verhängten Quarantäne 14 soziale Aktivist*innen ermordet, in Algerien wird gerade im Schatten der Corona-Pandemie mit z.B. Verhaftungen gegen Aktivist*innen und Journalist*innen der regierungskritischen Massenbewegung vorgegangen. Auch in Deutschland ist fraglich, dass die Regelungen des Ausnahmezustandes nach dem Sinken der Infektionskurve wieder zurückgenommen werden – besonders angesichts der gewaltigen Wirtschaftskrise, die mit absoluter Sicherheit zu Unmut, Unzufriedenheit und dem Potenzial für Massenbewegungen führen wird.

Vorsicht ist kein Burgfrieden

Sich vorbildlich zu verhalten ist besonders heute die Aufgabe jedes*r Kommunist*in. Als Menschen, die sich für ein lebenswertes Leben für alle Menschen einsetzen sind wir mit Sicherheit die letzten, die Menschen gesundheitlich in Gefahr bringen wollen. Trotzdem müssen wir auch vorsichtig sein, wenn wir uns die Verhaltensanweisungen der Bundesregierung anschauen: Solange Arbeiter*innen weiter in nicht versorgungsrelevanten Jobs zur Lohnarbeit gezwungen werden kann uns nicht erklärt werden, auf welcher logischen Grundlage wir nach der Arbeit das Haus überhaupt nicht mehr verlassen sollten und Proteste, bei denen alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, verhindert und kriminalisiert werden. Die Organisierung von solidarischer Nachbarschaftshilfe ist auf jeden Fall ein wichtiges Standbein politischer Praxis in der aktuellen Zeit und sicherlich eines, was auch noch viel weiter ausgebaut werden kann. Gerade jetzt können wir zeigen, dass die Solidarität unter Arbeiter*innen das ist, worauf gezählt werden kann, wenn der bürgerliche Staat unsere Probleme links liegen lässt und gerade jetzt müssen wir der Vereinzelung mit Solidarität entgegenstehen. Aber als Kommunist*innen, die Klassenkampf führen, reicht uns das allein nicht aus: wir müssen genauso weiterhin für die Rechte der Geflüchteten kämpfen, auch wenn sie vielleicht nicht in der Straße nebenan chillen, für den Schutz von Frauen* vor häuslicher Gewalt und genauso müssen wir auch mit allen Mitteln, die wir haben und die aktuell vernünftig sind, gegen die Abschaffung unserer Grundrechte kämpfen. Jedes dieser Rechte wurde erkämpft und muss von uns auch entsprechend verteidigt werden. Als Kommunist*innen müssen wir das revolutionäre Potenzial in jeder Situation erkennen und organisieren. Wir müssen gerade diejenigen sein, die nach vorne treten: die die staatlichen Maßnahmen als den Klassenkampf von oben entlarven, der sie sind, die die politische Arbeit unter den veränderten Bedingungen weiterführen, ohne uns dem Isolation-druck, der von irrationaler Panik zum Beispiel in den Familien, kommt, einfach zu fügen. Es gilt, besonnen, aber entschlossen zu handeln. Wenn wir jetzt einen Burgfrieden mit dem Kapital schließen, uns Schulter an Schulter mit ihnen gegen den Virus als “gemeinsamen äußeren Feind” stellen, dann wird der Virus bald schon von ganz anderen Sorgen für das Leben als Arbeiter*innen verdrängt werden. 

Faschismus oder Kommunismus

Die aktuelle Zeit ist eine Zeit, in der die Widersprüche im Kapitalismus noch offener zutage treten. Wie kann es sein, dass Arbeiter*innen entschädigungslos ihre Minijobs verlieren und Großkonzerne Geldgeschenke in Milliardenhöhe bekommen? Wie kann es sein, dass private Krankenhäuser in so einer Krise, während überall nach Intensivbetten gesucht wird, aus Profitgründen auf Kurzarbeit umstellen? Die Antworten auf diese Fragen legen die “Verrücktheit” des Kapitalismus eindeutig offen. Die bürgerlichen Staaten rüsten sich so gut sie können für die kommende Krise und fahren ihre Methoden der Aufstandsbekämpfung schon einmal raus. Auf der anderen Seite stehen die Massen der Arbeiter*innen und Unterdrückten, die verschiedenen politischen Bewegungen gegen den Faschismus: die ökologische Bewegung, die antifaschistische Bewegung, die Frauen- und die LGBTI-Bewegung. Sie alle eint der gemeinsame Feind Kapitalismus und die gemeinsame Utopie einer gerechten, geschlechterbefreiten und ökologischen Gesellschaft.  Es gib heute zwei Möglichkeiten: entweder Faschismus oder Kommunismus. Entweder wir warten jetzt in unseren Wohnungen und schauen Netflix bis die Pandemie vorbei ist, merken dann, dass die Bourgeoisie keines der genommenen Rechte wieder aus ihren Krallen lässt, die Faschisierung des Staates vorangetrieben hat, während wir um 9 Uhr aus dem Fenster geklatscht haben und dass unsere Klasse desorganisiert ist, wenn sie in der ausbrechenden Krise, die vor unserer Tür steht, kämpfen muss. Oder wir finden neue Wege, unseren Widerstand aufrecht und die Moral hochzuhalten. Wir zeigen, dass Solidarität gerade jetzt praktisch ist, wir vermeiden Infektionsgefahr, ohne dafür jeden Protest aufzugeben, sondern indem wir Kreativität und Entschlossenheit zeigen. Als Revolutionär*innen müssen wir aus jeder Situation heraus einen Schritt nach vorne machen. Entweder wir lassen die Gelegenheit, die diese offene Situation uns bietet, unbeachtet links liegen oder wir nutzen diese Zeit umso mehr, um die Heuchelei der Bourgeoisie und die Befreiung aller Arbeiter*innen und Unterdrückten im Kommunismus noch lauter zu propagieren. 

Der Kapitalismus und Epidemien

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Epidemien werden immer nur als Einzelfälle betrachtet, welche in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Dies ist auch bei dem jetzt neu aufgetretenen Coronavirus, COVID-19, der Fall, der sich inzwischen schon zu einer Pandemie entwickelt hat. Diese Betrachtungsweise ist aber nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Die aufgetretenen Epidemien, wie zum Beispiel auch Ebola, SARS und HIV, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem kapitalistischen System. Dieses fördert durch die Umweltzerstörung die Entstehung von Epidemien.
Deshalb wird dieser Artikel erläutern, wie sich ein Virus von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann, und inwiefern der Kapitalismus dies durch die industrielle Landwirtschaft und Wildtierwirtschaft befördert. Außerdem soll versucht werden auch eine mögliche Perspektive aufzuzeigen, um gefährliche Epidemien verhindern zu können.

Die Übertragung von Viren auf den Menschen durch Tiere

Mehrere der tödlichsten Epidemien und Pandemien hatten ihren Ursprung bei Tieren. Dies ist der Fall bei dem jetzt neu aufgetreten Coronavirus COVID-19, welches mutmaßliche von Fledermäusen auf einen Zwischenwirt übertragen wurde und dann auf den Menschen übersprang, und welches bis jetzt 681.000 Menschen infiziert hat und 32.000 Menschen getötet hat. Aber auch bei anderen Epidemien und Pandemien, wie der Spanischen Grippe, wurde das Virus von Tieren auf den Menschen übertragen. Diese brach 1918 wahrscheinlich in Nordamerika aus und verteilte sich auch aufgrund des Ersten Weltkrieges in der ganzen Welt. An der Spanischen Grippe starben etwa 35 Millionen Menschen, was einer Sterblichkeitsrate von etwa 7 Prozent entspricht. Der Ursprung des Virus, welcher die Pandemie auslöste, lag bei Vögeln, welche den Vogelgrippevirus in sich trugen, und welcher mutierte und so seine Gefährlichkeit entwickelte.
Damit Viren von einem Tier auf den Menschen überspringen können, muss sich der Virus so verändern, dass er das menschliche Immunsystem überwinden kann und eine Möglichkeit entwickelt die menschlichen Zellen zu befallen. Diese Veränderung des Virus kann auf zwei unterschiedliche Weisen entstehen. Entweder durch die Veränderung des Virus bei der eigenen Vermehrung, der sogenannten Mutation, oder durch den Austausch von tierischem und menschlichem Erbgut, wodurch Mischviren entstehen können, welche auch auf den Menschen übergehen können.

Die kapitalistische Landwirtschaft und Wildtierwirtschaft führen zu neuen Epidemien

Die Übertragung dieser Viren auf den Menschen wird verstärkt, beziehungsweise wahrscheinlicher gemacht, durch die Ausweitung des Kapitalismus, vor allem durch die kapitalistische Landwirtschaft. So werden weltweit die Wälder, hauptsächlich Regenwälder, gerodet, um neue Anbauflächen für Ölpalmen oder Soja für die Futterherstellung anzubauen. Zusätzlich werden große Flächen der Regenwälder bewusst durch Brände zerstört, um neue Anbauflächen zu gewinnen und zur Förderung von anderen Rohstoffen. Diese Vorgehensweise war letztes Jahr vor allem in der Amazonas-Region, besonders jedoch in Brasilien zu sehen. Dort wurden die Brandrodungen von der faschistischen Regierung Bolsonaros gebilligt und begünstigt.
Aber auch in anderen Teilen der Erde, wie zum Beispiel in Indonesien werden immer mehr Fläche des Regenwaldes gerodet, damit Ölpalmen und Soja für die Tiernahrung angebaut werden können. Diese Entwicklung wird auch hier durch die weitere Erschließung von Rohstoffen in den Regenwäldern verstärkt. Diese voranschreitende Zerstörung der Natur ist überall auf der Welt zu sehen. Der Grund
für diese Zerstörung ist, dass hauptsächlich multinationale Unternehmen in einem ständigen Konkurrenzkampf befinden und versuchen müssen, dass diese sich immer im Wachstum befinden. Dies hat zur Folge, dass nicht nach den Bedürfnissen der Menschen produziert wird, was zu einem geringeren Flächenverbrauch führen würde. Stattdessen produzieren die kapitalistischen Unternehmen, um ihren Profit zu maximieren, woraus sich ergibt, dass mehr produziert wird als benötigt wird. Diese Überproduktion ergibt sich aus dem Gedanken, dass die einzelnen Unternehmen es schaffen würden jeweils ihren produzierten Anteil umzusetzen und die anderen Unternehmen jeweils weniger. Diese Wirtschaftsweise führt nicht nur zur Zerstörung der Heimat von indigenen Völkern und des Lebensraumes der dort heimischen Tiere, sondern fördert auch die Entstehung von gefährlichen Epidemien.

Durch die Zerstörung ganzer Ökosysteme werden Krankheitserreger, meist Viren, freigesetzt, die bisher in diesem gebunden waren. Dies geschieht dadurch, dass zum einen, der Stress auf die Tiere, welche einen Krankheitserreger in sich tragen, durch die Zerstörung ihres Lebensraumes wächst. Das hat zur Folge, dass das Immunsystem dieser Tiere geschwächt wird und die Krankheiten ausbrechen können. Dadurch brechen die Krankheitssymptome aus, welche dazu führen, dass sich die Krankheit verbreiten kann. Außerdem erhöht sich durch eine starke Vermehrung der Viren die Mutationsrate, das heißt es erhöht sich die Häufigkeit, mit welcher sich die Viren verändern. Durch diese Mutation können sich die Viren so verändern, dass sie auch für den Menschen oder andere tierische Wirte ansteckend und gefährlich werden.
Zusätzlich wächst durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume der Tiere die Nähe zwischen den Wirtstieren, also Tieren, die Viren in sich tragen, und dem Menschen. Das geschieht zum einen dadurch, dass der Mensch immer stärker in die Lebensräume der Tiere eindringt und sich dort aufhält, um zu arbeiten. Zum anderen, finden viele Tiere in Städten einen neuen Lebensraum. Durch diese beiden Entwicklungen wächst die Möglichkeit, dass durch Austausch von genetischen Informationen zwischen Menschen und Tieren Mischviren entstehen, an welchen der Mensch erkranken kann. Außerdem können auch Viren durch die Nähe zu Tieren, die so mutiert sind, dass sie auch Menschen infizieren können, einfacher auf den Menschen überspringen. Dies hat zur Folge, dass sich besonders in Städten die Viren weitflächig ausbreiten können.
Eine weitere Möglichkeit für die Übertragung von Viren auf den Menschen entsteht durch die Ausweitung des Handels von Wildtieren. Dies umfasst zum einen den Handel mit lebenden Wildtieren, als auch den Verkauf von Wildtierfleisch. Dieser Handel entwickelt sich immer stärker zu einem eigenen Wirtschaftsfeld und muss somit immer wieder neues Wachstum erzeugen. Daraus ergibt sich der Zwang, dass die Händler von Wildtieren immer wieder Gewinne erwirtschaften müssen. Somit sind die Händler dazu gezwungen immer mehr Wildtiere zu verkaufen, oder ihr Angebot zu erweitern und somit zu ihrer Konkurrenz einen Vorteil auf dem Markt zu haben. Um diese Notwendigkeit zu erfüllen, müssen die Händler immer tiefer in die Lebensräume vordringen. Hierdurch ergibt sich dieselbe Gefahr, welche auch durch die Zerstörung der Regenwälder hervorgerufen wird. Es entwickelt sich wieder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Viren einen Menschen infizieren können, weil die Nähe zu möglichen Wirtstieren wächst. Dieses Risiko wächst bei dem Handel mit lebenden Tieren noch stärker, da hierbei die Chance eines Ausbruches von Viren erhöht wird, da die Tiere hier auch noch einem besonders starken Stress ausgesetzt sind, welchen den Ausbruch von Krankheiten fördert. Daraus ergibt sich außerdem die Situation, dass durch die Entnahme immer mehr Tiere aus den natürlichen Abläufen entnommen werden, wodurch die
Artenvielfalt abnimmt, welche die Wahrscheinlichkeit des Ausbruches einer Epidemie verringern kann.

Auch die industrielle Tierhaltung fördert die Entstehung von Epidemien. Das ergibt sich durch verschiedene Gegebenheiten. Zum einen dadurch, dass in der industriellen Tierhaltung die Tiere so gezüchtet werden müssen, dass sie maximale Gewinne erzeugen, wodurch andere natürliche Funktionen der Tiere, wie zum Beispiel das eigene Immunsystem, vernachlässigt werden. Dies macht die Tiere anfälliger für die Infizierung mit Viren. Zudem wird eine Infektion mit Krankheitserregern noch begünstigt dadurch, dass die Tiere auf engen Raum in den Ställen zusammenstehen, wodurch die Krankheitserreger von einem Tier auf ein anderes Tier sehr einfach überspringen kann. Daraus ergibt sich eine starke Infektionsrate, das heißt es können sich schnell neue Tiere infizieren, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Mutation wächst, da auch die Vermehrung der Viren hoch ist, wodurch es wahrscheinlicher wird, dass die Viren auch für den Menschen gefährlich werden. Die Infektionsrate der Viren wird zusätzlich dadurch begünstigt, dass immer wieder neue Tiere in die Ställe gelangen, die sich neu infizieren können und schon infizierte verlassen die Ställe. Daraus entwickelt sich ein perfekter Zuchtort für ansteckende und gefährliche Viren. Dieser Zustand wird von der industriellen Tierhaltung in Kauf genommen, um die eigenen Gewinne zu maximieren.

Somit ist die Rolle der kapitalistischen Wirtschaft zentral für den Ausbruch von Epidemien. Dies ergibt sich aus der, von der kapitalistischen Wirtschaft vorangetriebenen, Umweltzerstörung, wodurch der Austausch von Viren zwischen Tieren und Menschen wahrscheinlicher wird. Durch die Übertragung der Viren kann sich schnell eine Epidemie entwickeln.

Der Grund für das zerstörerische Wirtschaften im Kapitalismus

Das bedeutet die Gefahr von Epidemien wird im Kapitalismus in Kauf genommen, da in der kapitalistischen Produktionsweise dem tendenziellen Fall der Profitrate durch eine Erweiterung der Produktion entgegengewirkt werden muss. Dadurch folgt, dass immer stärker in die Umwelt eingegriffen werden muss, damit die Konzerne nicht in ihrer Konkurrenz untergehen, indem sie die Profitraten oben halten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass der Produktionsumfang immer weiter erweitert werden muss. Daraus ergibt sich die voranschreitende Umweltzerstörung, welche durch die Rodung vorangetrieben wird. Um die Profirate aufrecht zu erhalten, müssen die Konzerne immer neue landwirtschaftliche Flächen erschließen, um hauptsächlich Ölpalmen und Soja für die Produktion von Futtermitteln anzubauen, damit sie versuchen können sich gegen ihre Konkurrenz durch die Erweiterung ihrer Produktion und die sich daraus ergebene Beibehaltung oder Erhöhung ihrer Profitrate durchzusetzen. Diese Notwendigkeit ergibt sich auch in der industriellen Tierhaltung, wo durch den Versuch die Kosten der Produktion möglichst gering zu halten die Profitrate gleich oder erhöht werden soll. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass die Tiere so gezüchtet werden, dass sie einen möglichst großen Ertrag erzeugen. Die Erhöhung der Profitraten wird zudem noch dadurch begünstigt, dass sich viele Tiere auf engem Raum befinden, wodurch besonders viele Tiere an einem Ort gehalten werden können, was den Profit eines Standortes noch weiter erhöht. In der Wildtierwirtschaft ergibt sich der Zwang die Profitrate zu steigern aus der Gegebenheit, dass immer mehr Tiere aus den natürlichen Ökosystemen entnommen werden müssen, damit die Konzerne sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen können.

Die Lösung ist die Überwindung des Kapitalismus

Somit ergibt sich aus diesen Gründen die Notwendigkeit für die Überwindung des Kapitalismus und die Errichtung eines sozialistischen Staates, welcher als eine seiner zentralen Aufgaben sieht, den Riss zwischen der Umwelt und dem Menschen zu heilen, also die Entfremdung des Menschen von der Umwelt zu überwinden. Dies bedeutet ein Ende der kapitalistischen Produktionsweise in den Bereichen der Landwirtschaft und der Wildtierwirtschaft, also ein Ende der profitorientierten Produktion und dem Beginn einer Produktion, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und somit alleine schon die benötigte Fläche und die benötigten Ressourcen reduziert. Zudem muss die Produktion vergesellschaftet werden und es ist notwendig, damit Umweltzerstörung vermieden wird und die Versorgung mit Lebensmitteln garantiert ist, dass diese Produktion geplant wird. Somit ergibt sich hieraus die Notwendigkeit, die industrielle Tierhaltung, Landwirtschaft und den kapitalistischen Wildtierhandel zu beenden und durch eine sozialistische und ökologische Produktion zu ersetzen, damit auch Epidemien und Pandemien, wie COVID-19, vermieden werden können.

Corona ist nicht unpolitisch

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Das Corona-Virus ist auch bei uns in Deutschland angekommen und wir können die Augen nicht mehr vor der Krise verschließen. Die Gefahr für das Leben tausender Menschen dürfen wir nicht weiter unterschätzen und kleinreden. Der Rassismus gegenüber asiatisch aussehenden Menschen, das Wegsetzen in der Bahn von migrantischen Menschen haben offensichtlich nicht geholfen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Also muss sich vielleicht doch ein anderer Umgang mit der Krise überlegt werden. Einer, der auf Solidarität statt auf Egoismus setzt, damit nicht nur unsere eigenen Omas, sondern alle Omas die Chance haben, noch einmal die Sommersonne zu genießen.

Der Virus ist nicht nur eine Krankheitsfrage. Die Betroffenen der Corona-Krise sind nicht nur die Menschen, die krank werden oder in der Risikogruppe sind. Betroffen sind all die Menschen mit unsicheren Jobs in Bars, Kneipen, auf Events, etc. – die jetzt plötzlich völlig ohne Einkommen dastehen. Denn während die Geschäfte vielleicht schließen, werden unsere völlig überhöhten Mieten weiter eingetrieben und unser Essen weiter Geld kosten.  Betroffen sind die Arbeiter*innen, die weiter zur Arbeit geschickt werden, während die Kitas ihrer Kinder geschlossen sind. All die, die kein Geld für den Supermarkt haben, aber deren Tafel aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde.

Die Menschen, die mit etlichen anderen auf engstem Raum in Geflüchtetenheimen zusammengepfercht sind und gleichzeitig eine extrem schlechte Gesundheitsversorgung haben. Dem Virus mag es egal sein, ob er die Körper von Männern, Frauen, LGBTI*, Arbeiter*innen, Hartz-IV-Empfänger*innen oder Millionären, Schwarzen und People of Colour oder Weißen angreift. Aber die Probleme, die Unterdrückung und Ausbeutung, die wir erfahren, werden durch den Virus nicht verschwinden, sondern noch stärker. Wer kann sich jetzt schützen, wer kann sich die beste Versorgung und das gesündeste Essen leisten, um wen wird sich am meisten gekümmert  und wer hat das Privileg, mit viel Platz im Einfamilienhaus zu sitzen, wer muss täglich mit hunderten anderen Menschen im Aufzug zur Wohnung fahren oder ist direkt mit etlichen anderen in einem Heimzimmer zusammengepfercht? – das sind einige der Fragen, die sich jetzt stellen und stellen werden. Die Widersprüche zwischen den Klassen, zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, werden sich auf jeden Fall verschärfen. Deshalb ist diese Zeit keine unpolitische Zeit, sondern eine Zeit der Klassenkämpfe: für gute und gleiche Versorgung, gegen unhygienische und unzumutbare Lebensbedingungen, für ein sicheres Einkommen für alle. 

Die Wirtschaftskrise wird nicht bloß vom Virus kommen

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft, genau wie auch die gesamte Weltwirtschaft, hart. Die Weltwirtschaft hatte sich in vielen Teilen nie von dem letzten großen Crash 2008 erholt. Besonders im letzten Jahr haben sich auch hier in Deutschland mit vielen Entlassungen und wenig Profiten die Anzeichen für den Beginn einer neuen Krise schon sichtbar gemacht. Die Maßnahmen, die jetzt gegen Corona ergriffen werden müssen, um die völlig unkontrollierte Ausbreitung und den völligen Kollaps unseres Gesundheitssystems zu verhindern, treffen die Wirtschaft auf jeden Fall hart und beschleunigen und vertiefen die Krisenentwicklung. Wir dürfen aber nicht darauf hereinfallen, wenn die mögliche Wirtschaftskrise als “Naturkatastrophe” und als “völlig unabhängig vom Kapitalismus” dargestellt wird. Eine Überproduktionskrise hat sich auch vor Corona schon angebahnt und würde auch ohne die Pandemie früher oder später eintreten. Das Einbrechen globaler Produktionsketten, die Unsicherheit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen haben aber natürlich auf einen Schlag die nächste Krise extrem näher kommen lassen. 

Die Welt dreht sich weiter

Nächste Woche, am 19. März, ist das Massaker von Hanau einen Monat her. Kein Mensch redet gerade mehr über die Unklarheiten in den Ermittlungen dazu, über die Organisierung der Faschisten, über die faschistischen Zellen bei den Bullen, u.s.w. Die geflüchteten Menschen auf den griechischen Inseln sind immer noch unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt und wenn die Krankheit bei ihnen ankommen sollte, wird das einem Massaker gleichen. All diese Dinge dürfen wir nicht vergessen. Wenn wir uns jetzt nur noch zuhause einsperren und abwarten, dann werden wir diesen Kampf verlieren. Dann werden wir uns nicht wundern müssen, wenn in ein paar Wochen unsere Omas mit gesetzlicher Versicherung und Mini-Rente keinen Platz im Krankenhaus mehr bekommen.

Solidarität ist unsere Waffe

Im Kampf gegen die Folgen des Virus wie auch gegen die Kapitalisten ist Solidarität unsere Waffe. Das mag strange klingen, ist aber letztlich so. Wir müssen jetzt untereinander solidarisch sein, damit niemand sich beim Einkaufen in Lebensgefahr bringen muss; damit kein Kleinkind ohne Betreuung bleibt; damit kein Mensch ohne Kohle hungert, weil die Tafel zu ist und damit kein Mensch völlig vergessen wird und vereinsamt. Konkret bedeutet das:    Hygiene ist keine persönliche Frage, sondern eine Frage von Solidarität gegenüber allen Menschen um uns herum und eine Grundvoraussetzung, um unsere politische und soziale Arbeit irgendwie weiterführen zu können.   

Wir müssen sofort die Nachbarschaftsnetzwerke in unseren Vierteln stärken und mit helfen, sie gezielt aufzubauen, sodass nichts und niemensch vergessen wird. Dafür gibt es Telegramgruppen, Kontaktflyer, die in den Hauseingängen aufgehängt werden können, etc.    
Wir müssen trotz aller Einschränkungen solidarisch sein mit den Menschen, die nicht direkt neben uns sind. Die Kämpfe um die Lebenssituation der Geflüchteten sind gerade jetzt unglaublich wichtig und müssen weiter geführt und unterstützt werden.    
Wir müssen die Folgen des Kapitalismus auf unsere Gesundheitsversorgung, das Krisenmanagement des Staates usw. gerade jetzt aufdecken, ankreiden und für Gerechtigkeit für all die Menschen, die jetzt Angst um ihr Leben und ihre Existenz haben müssen, kämpfen.  

Schwere Zeiten erfordern Kreativität

Es ist klar, dass wir jetzt erstmal keine Solikonzerte, keine großen Veranstaltungen und Treffen und auch nicht unbedingt Demos machen sollten, wenn wir solidarisch sein wollen. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass unsere politische Arbeit kein Hobby ist und es nicht um etwas geht, das gerade so für ein paar Wochen ausgesetzt werden könnte, während auf Lesbos jeden Tag Menschen in Lebensgefahr sind, etc. Was es jetzt braucht, ist Kreativität: Wie können wir unsere Inhalte und Proteste online ausdrücken? Wie können wir diese Zeit auch gerade für (Online-)Bildungen nutzen? Wie können wir der Vereinzelung entgegenkommen? Indem wir uns vielleicht im Park vor den Wohnhäusern hinsetzen und etwas Musik machen für die Menschen? Indem wir im Freien und ohne zu große Menschenansammlungen Essensverteilungen organisieren? Die Reden der abgesagten Kundgebung überall in Tonaufnahmen aus den Fenstern schallen lassen? Wir müssen Kreativität zeigen, aber wir werden eins klarstellen: unsere Kämpfe gehen weiter. Weder werden wir irgendwen im Stich lassen, noch werden wir uns oder anderen die Rechte nehmen lassen. Solange wir ausgebeutet werden, werden wir Widerstand leisten.

Die aktuelle Krise stellt uns vor viele Herausforderungen. Lasst sie zu einer Zeit werden, auf die wir einmal zurückblicken und sagen können: Wir haben aus der Krise eine revolutionäre Möglichkeit gemacht.