Von Ciao Bella bis Ay Carmela: Musikalischer Widerstand gegen den Faschismus

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Musik hat die Menschheit schon von Beginn ihrer Geschichte gemacht und seitdem stellt diese einen wichtigen Teil der menschlichen Kultur dar. Auch in der revolutionären Bewegung war Musik eine Möglichkeit um vergangene Kämpfe weiterzutragen und auch weitere Lieder über die revolutionären Kämpfe zu verbreiten. Einen wichtigen Stellenwert hat die Musik vor allem da, wo Unterdrückung herrscht, wie zum Beispiel unter dem Faschismus. Hier hat die Musik besonders die Möglichkeit den Kampf weiterzuverbreiten und als verbindendes Glied zwischen den kämpfenden Gruppen zu stärken. So entwickelten sich in dem Kampf gegen den Faschismus in dem letzten Jahrhundert viele Lieder, die den Kampf der revolutionären Kräfte gegen den Faschismus in Deutschland, Italien, Spanien und in vielen anderen Teilen der Welt besingen. Diese Lieder entwickelten sich teilweise auch weiter und bleiben in dem revolutionären Gedächtnis erhalten und entwickelten sich so zu revolutionären Hymen. Zu einem wichtigen Teil dieses Kampfes gehören Partisanenlieder, welche den Kampf und die Erlebnisse der Partisanen im Kampf gegen den Faschismus zu verbreiten.

Eines dieser Lieder, “Bella Ciao”, verbreitete sich über den Kampf hinaus und ist auch noch heute ein stark verbreitetes Lied im revolutionären Kampf. Die Melodie dieses Liedes entwickelte sich um das Jahr 1906, wo diese gesungen wurde von Reispflückerinnen in der Nähe von Bologna. Dabei wurden die harten Bedingungen auf dem Land und gegen die harte Herrschaft der Herren gesungen. Das Lied wurde von der italienischen Widerstandsbewegung gegen den Faschismus im zweiten Weltkrieg, der Resistenzia, umgedichtet. Das Lied besingt den Freiheitskampf der Partisanen und erinnert an die Gefallenen. Das Lied verbreitete sich auf der ganzen Welt und wurde in viele Sprachen übersetzt. “Bella Ciao” hat sich zu einem Kampflied gegen den Faschismus entwickelt und hat diese Bedeutung bis heute. Auch im Spanischen Bürgerkrieg entwickelten sich Partisanen- und Kampflieder. Aus dem Kampf der internationalen Brigaden entwickelte sich zum Beispiel das Lied “Spaniens Himmel” von Paul Dessau, dass dieser im französischen Exil schrieb. Hierbei wird der Kampf der deutschen Kämpfer*innen in Spanien und auch im weiteren Zusammenhang der Kampf gegen den Nationalsozialismus in Deutschland besungen. Besonders wird auch auf den Kampf der Thälmann-Kolone eingegangen, welche schon vor der Formung der internationalen Brigaden in Spanien kämpfte.

Schlussfolgernd ist festzuhalten, dass Musik besonders wichtig da ist, wo die revolutionäre Bewegung sich im aktiven Kampf gegen Unterdrückung, wie zum Beispiel gegen den Faschismus, da dadurch die Kämpfe miteinander verbunden werden können und der Kampf für weitere Generationen bestehen bleibt.

Finn, Frankfurt

Vereinter Widerstand und Solidarität im Gezi-Park

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Wir hören nicht nur die Stimmen der Unterdrückten weltweit, wir verstehen sie auch. Sie spricht die selbe Sprache wie der Widerstand in Gezi. Doch was ist mit dem Gezi-Widerstand genau gemeint?

Vor 7 Jahren im Mai und Juni wurde der Gezi-Park, der im Rahmen eines Innenstadt-Umbaus abgerissen werden sollte, zunächst von linken und revolutionären Aktivist*innen und dann von immer mehr Istanbuler Bürger*innen besetzt. Hunderttausende bevölkerten den Park und den angrenzenden Taksim-Platz. Weder die Polizei noch ihre Panzerwagen mit Tränengas und Wasserwerfern konnten die Parkbesetzer*innen dauerhaft vertreiben. Tausende lebten und wohnten zeitweise im Park; Hunderttausende demonstrierten auf den Straßen der Türkei, bis mit einem riesigen Polizeiaufgebot am 15. Juni 2013 der Park gewaltsam geräumt und abgerissen wurde.

Mit der Besetzung des Gezi-Parks wurde Istanbul Schauplatz einer öffentlichen Inbesitznahme, die mit einer außerordentlichen Beharrlichkeit gegen den brutal vorgehenden faschistischen türkischen Staat verteidigt wurde.

Bereits länger waren die Pläne der Regierung zum Umbau des Taksim-Geländes von vielen Bürger*innen und NGOs sowie der parlamentarischen Opposition kritisiert worden. Das auf dem Gelände des Gezi-Parks ein historisierender Nachbau einer dort früher stehenden Kaserne mit einem darin liegenden Einkaufscenter erbaut werden sollte, bestätigte die These einer absichtsvollen Inszenierung eines vormodernen „osmanischen“ Stadtcharakters unter dem Deckmantel  eines grundlegenden Umbaus der Stadt.

Ausgerechnet den Taksim-Platz mit einem Moscheebau und Einkaufszentrum im osmanischen Gewand zu planen, wurde von den Aktivist*innen und Stadtplaner*innen als skandalöser Eingriff in die Stadtgeschichte gewertet.

Der Taksim-Platz war stets ein Symbol für politische Meinungsäußerung und Demonstrationen, die Organisierung der Arbeiterklasse und Gewerkschaft.

Hier fand 1976 eine riesige 1.Mai-Demonstration statt. 1977 endete die riesige Demonstration in einem Blutbad.

Seit der Militärdiktatur von 1981 wurden immer wieder Versammlungen und Demonstrationen am Taksim verboten. Bis heute ist es bei drohenden Unruhen oder Regierungskritik ein übliches Mittel, den Taksim-Platz und die Straßen zu sperren.

Gegen den geplanten Umbau des Taksim hatte sich eine Initiative gebildet, die seit einigen Jahren aktiv war. Erste Abbrucharbeiten am Taksim und die langfristige Sperrung der Straßen zum Platz blieben ohne breite öffentliche Proteste. Dass sich an dem weit weniger symbolträchtigen kleinen Park am Taksim, dem Gezi-Park, eine große Revolte entzünden würde, ahnte noch niemand.

In der Nacht auf den 28. Mai fingen Abbrucharbeiten an einer Mauer des Gezi-Parks an, der von einigen Aktivist*innen bewacht wurde. Über soziale Netzwerke wurden Freunde alarmiert, die Bagger zunächst aufgehalten. Als am nächsten Tag die Abbrucharbeiten fortgesetzt werden sollten, stellte sich der kurdische Abgeordnete Sirri Süreyya Önder den Baggern entgegen, nutzte seine Immunität als Parlamentsmitglied und brachte die Arbeiten zum Stoppen. Eine weitere Parlamentsabgeordnete der CHP, Gülseren Onanc, stellt sich ebenfalls den Maschinen entgegen. Es kam zu ersten Tränengaseinsätzen der Polizei. Am Abend des 28. Mai befanden sich bereits Hunderte Menschen im Park.

Am 29. Mai eröffnete Erdogan bei der Grundsteinlegung zur dritten Bosporusbrücke, dass diese Brücke den Namen des Herrschers Yavuz Sultan Selim tragen wird, der sich im 16. Jahrhundert einen Namen als Eroberer und Alevitenschlächter machte (Beiname „der Grausame“). Diese Namenswahl brachte große Teile der alevitischen und fortschrittlichen Bevölkerung gegen Erdogan auf, sodass hunderte weitere Menschen sich im Gezi-Park versammelten.

Am 30. und 31. Mai kam es jeweils in den Morgenstunden zu massiven Angriffen durch die Polizei, die mit Wasserwerfern, Tränengas und Knüppeln die Menschen aus dem Park vertreiben wollte.

Im Morgengrauen des 30. Mai überfiel die Polizei das Camp, trieb die dort schlafenden Menschen aus ihren Zelten, türmte Zelte und Habseligkeiten der Besetzer*innen auf einen Haufen und verbrannten sie. Die darauf einsetzenden Abbrucharbeiten wurden wiederum von Parlamentsabgeordneten gestoppt, die sich vor die Bagger setzten. An diesem Abend versammelten sich Tausende im Park. Viele wichtige Oppositionsgruppen zeigten sich vor Ort. Im Park herrschten Wut, aber auch Volksfeststimmung. Lachen, Musik, Slogans und Plakate waren überall. Es gab ein erstes Bewusstsein über die Kollektivität der Menschen, die hier protestieren – von der LGBT-Bewegung über kurdische Freiheitskämpfer bis hin zu antikapitalistischen Moslems. Ein weiterer Polizeieinsatz in den frühen Morgenstunden des 31. Mai führte nicht nur im Gezi-Park, sondern auf der großen Geschäftsstraße Istiklal-Caddesi und auf dem Taksim-Platz selbst, zu großen Demonstrationen die alle mit großer Gewalt niedergeschlagen wurden. Das brachte nur noch mehr Menschen dazu, sich in Richtung Gezi-Park aufzumachen, um Solidarität zu zeigen.

Am 1. Juni kam es in 40 großen und insgesamt 90 türkischen Städten zu Solidaritätskundgebungen, häufig entgegnet mit brutalen Polizeieinsätzen, die einige Todesopfer zur Folge hatten.

Ab dem 11. Juni schlug die Polizei erneut mit gewaltiger Brutalität zu.

Angriffe mit Tränengas, Wasserwerfer mit Chemikalien versetzt, flüchtende Familien und Einzelpersonen, die Zuflucht in Hotels und Privatwohnungen fanden – dazwischen Ruheinseln wie ein Klavierkonzert, Gebete, Tanz, Unterstützung durch besuchende Mütter, Unterstützung durch abendliches Töpfeschlagen in ganz Istanbul. Vernehmungen und Verhaftungen fanden statt. Ärzt*innen, die während der Wasserwerfer- und Tränengas-Attacken erste Hilfe leisteten, wurden in einem Disziplinarverfahren bei der Ärztekammer angezeigt. Am 15. Juni wurde der Park mit beispielloser Brutalität geräumt – Bagger zerstörten alles, was den Besetzer*innen gehörte und der Park wurde eingerissen.

Trotz allem, steht der Gezi-Park heute noch als Symbol vereinten Völkeraufstandes, für Solidarität und für Widerstand. Im Gezi-Park kamen tausende Menschen zusammen, von Umweltsaktivist*innen bis hin zu Politiker*innen, um den historisch bedeutenden Park zu verteidigen, die Diktatur zu zerschlagen und politische Freiheiten zu gewinnen.

Die frühere Co-Vorsitzende der HDP, Figen Yüksekdag, sandte aus dem Gefängnis folgende Botschaft zu den Veranstaltungen von Taksim Solidaritätsnetzwerk zum 7. Jahr des Gezi Widerstandes:

“Zunächst möchte ich unseren Widerstandsmärtyrern mit Respekt und Sehnsucht gedenken, die in Gezi getötet wurden. Gezi ist in unserem Leben, in unseren Kämpfen und in unseren Erinnerungen noch frisch ist. Die Menschen haben sich die Straßen und Plätze genommen um den Baum, das Leben, die Menschen, die Frauen und die Ehre Gezis zu verteidigen. Gezi ist ein großartiges Beispiel für Solidarität, Widerstand, Leidenschaft und Erregung der Massen.

Heute besteht ein großer Bedarf an denselben Werten, die Gezi geschaffen haben. Wir wissen auch, dass diese Werte tief im Herzen der Gesellschaft leben. (…) Sie ist nicht nur unsere Vergangenheit, sondern unsere Zukunft. Ich begrüße das siebte Jahr von Gezi. “ – Figen Yüksekdağ, Kandira-Gefängnis “

Nieder mit dem Faschismus! Die Straßen gehören uns!

Berkin Elvan lebt!

Ali İsmail Korkmaz lebt!

Ahmet Atakan lebt!

Ethem Sarısülük lebt!

Medeni Yıldırım lebt!

Mehmet Ayvalıtaş lebt!

Hasan Ferit Gedik lebt!

Ayşe Deniz Karacagil lebt!