8. März – gemeinsam kämpfen gegen Faschismus, Gewalt und Krise!

Der 8. März hat eine lange und kämpferische Geschichte. Entgegen dem bürgerlich-verwaschenen „Weltfrauentag“, an dem Polizisten Frauen rote Rosen schenken und süße „Frauenfilme“ im Fernsehen laufen, war der 8. März seit jeher ein Tag der Kämpfe von Frauen.

Als „Frauenkampftag für das Frauenwahlrecht“ wurde er zum ersten Mal am 19. März 1911 von sozialistischen ausgerufen. 1921 wurde er dann offiziell auf den 8. März gelegt, um dem Streik der Petrograder Arbeiterinnen, mit dem die russische Revolution begann, zu gedenken.

Wenn wir heute den 8. März begehen, dann stehen wir in der Tradition der kommunistischen Frauen vor 100 Jahren und nicht irgendwelcher verwässerter UN-Welttage, mit denen versucht wird, den kämpferischen Charakter dieses Tages zu rauben.

Frauenaufstand zwischen Faschismus und Krise

Der 8. März 2021 steht unter besonderen Vorzeichen. Seit mehreren Jahren schon beginnt die internationale Frauenbewegung, besonders rund um den 8. März und den 25. November, jedes Jahr an Kraft, Masse und Entschlossenheit. Wir können wirklich von einem weltweiten Aufstand der Frauen sprechen, dessen Feuer sich von Lateinamerika in den Mittleren Osten und auf alle Teile der Welt ausbreitet: getrieben von dem Kampf gegen Femizide, männliche Gewalt und für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung sind Tausende Frauen in Argentinien, Polen, der Türkei und vielen weiteren Ländern der Welt auf die Straßen gegangen.

Auch hier in Deutschland wird die Frauenbewegung jedes Jahr stärker: wo vor einigen Jahren noch ein paar Dutzend Leute bei Kundgebungen zum 8. März standen, laufen heute Demonstrationen mit tausenden Menschen durch die Städte. Die Gründe dafür sind vielfältig: von der Ausbeutung unserer Arbeit bis zur alltäglichen, normalisierten Gewalt gibt es etliche Gründe, die uns Frauen auf die Straßen treiben.

2020 war ein hartes Jahr

Im letzten Jahr ist die Unterdrückung, die Geringschätzung von uns Frauen durch diesen patriarchalen (männlich beherrschten) Staat noch viel sichtbarer zu Tage getreten als zuvor. Die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen von Krankenhaus über Kindergarten bis Supermarkt, deren Arbeitsplätze oft kaum Hygienekonzepte hatten und bei denen trotz viel Geklatsche kein Cent Lohnerhöhung ankam, sind zum allergrößten Teil Frauen. Während der Lockdowns ist das Leben mit gewalttätigen Partnern, Vätern und Brüdern noch viel unerträglicher geworden – aber der jahrelangen Forderung nach mehr Plätzen in Frauenhäusern ist kein Stück nachgekommen worden. Frauen sterben jeden dritten Tag in Deutschland durch die Hand eines Mannes. Die Justiz deckt, der Staat schaut zu. Während die Wirtschaftskrise sich weiter vertieft werden die Rüstungsausgaben erhöht, aber für den Schutz von Frauen vor Gewalt ist nichts mehr übrig. Für angemessene Entlohnung all‘ der arbeitenden Frauen im Niedriglohnsektor, die zuhause noch Kinder zu ernähren haben, ist nichts übrig. Und es sieht nicht so aus, als ob sich daran etwas ändern würde.

Frauen: das Feindbild der Faschisten

Noch dazu erstarkt die faschistische Bewegung weiter. Seien es die faschistischen Terroranschläge von Halle oder Hanau, seien es die Corona-Leugner, die den bekanntesten Nazis ihre Bühnen bieten, während sie mit Tausenden durch die Städte marschieren und den Bundestag zu stürmen versuchen. Wohin wir auch schauen, die Faschisten waren fleißig im letzten Jahr. Ihre Feindbilder: Migrant:innen und Frauen. Viele der faschistischen Mörder von Christchurch bis Hanau waren sogenannte „incels – involuntary celibates (unfreiwillig keusch)“. Das sind Männer, die sich eine faschistische Ideologie darum aufbauen, dass sie doch ein Anrecht auf Frauen und auf Sex hätten und dass es die böse Emanzen-Frauenwelt schuld sei, dass sie, ehrwürdige, anständige Männer, im Leben nichts hinkriegen, da ihnen der Sex verwehrt wird. Die Faschisten organisieren sich immer mehr, indem sie solche frustrierten Männer um sich sammeln und den offenen gewalttätigen Frauenhass zu einem der wichtigsten Standbeine ihrer Politik machen.

Das Leben für uns erobern!

Der 8. März 2021 leitet ein Jahr ein, in dem sich vieles entscheiden könnte für uns Frauen. Werden wir uns dem weltweiten Frauenaufstand anschließen, ein Teil dieser lila Welle, die den Globus überrollt? Als Frauen kämpfen wir immer an etlichen Fronten gleichzeitig: zuhause kämpfen wir mit patriarchalen Familien und Beziehungen gegen das kranke Verständnis, dass „Liebe“ „Besitz und Unterwerfung“ bedeuten würde. Wenn wir rauskommen kämpfen wir darum, gehört und nicht nur mit Blicken abgemessen zu werden. Wir kämpfen darum, dass unsere Arbeiten, ob zuhause oder in der Lohnarbeit, gesehen, anerkannt, wertgeschätzt und entlohnt werden genauso wie die von Männern. Die faschistischen Bewegungen, die mit der Krise des Kapitalismus an Fahrt gewinnen, bedrohen gerade alle Errungenschaften, die wir uns dabei erkämpft haben. Errungenschaften, für die Frauen ausgelacht, beschimpft, geschlagen, getreten und sogar ermordet wurden – und werden. Errungenschaften, die wir nie wieder hergeben dürfen. Allen Frauen, die vor uns gekämpft haben, sind wir schuldig, ihren Weg weiterzuführen.

Für einen revolutionären 8. März!

Die Angela Merkels und Kamala Harris‘ dieser Welt werden uns keine guten Freundinnen sein auf diesem Weg. In Zeiten faschistischer Angriffe ist es wichtiger denn je, als Frauen klar antikapitalistisch und revolutionär zu kämpfen. Die Welt, die wir wollen, ist eine Welt ohne jegliche Unterdrückung. Wir dürfen uns nicht von irgendwelchen „rechten Feministinnen“ auf den Arm nehmen lassen, dürfen keinen Moment dulden, dass sie es wagen, Tage des sozialistischen Frauenkampfes mit rassistischen und faschistischen Parolen für sich zu beanspruchen. Gerade jetzt müssen wir offener denn je sagen: Befreiung nur durch Frauenrevolution!

IVANA HOFFMANN LEBT IN UNSEREM KAMPF!

Es ist nun sechs Jahre her, dass unsere Genossin Ivana Hoffmann im Kampf für eine neue Welt unsterblich geworden ist. Ivana Hoffmann ist am 07. März 2015 bei der Verteidigung eines christlichen Dorfes bei Til Temir, in Rojava, im Kampf gegen den die Banden des IS unsterblich geworden.

Sie ist die Tochter einer deutschen Arbeiterin und eines togolesischen Migranten. Aufgewachsen ist sie in Duisburg-Meiderich. Bereits früh hat sie sich für politische Themen engagiert. Sie beteiligte sich an der „Bildungsstreik“-Bewegung in Duisburg und wurde durch ihre offene, aufgeschlossene Art auch rasch zu dessen Pressesprecherin gewählt. Als sie schließlich die sozialistische Jugendorganisation Young Struggle kennenlernte, dauerte es nicht lange bis sie verantwortungsbewusst Aufgaben übernahm und sich organisierte. Das war der Punkt an dem sie begann die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu hinterfragen und sich gegen jegliche Art von Unterdrückung und Ausbeutung zu organisieren. Entschlossen und diszipliniert beteiligte sie sich an verschiedenen Kämpfen. Ob im Kampf für die Befreiung der Frau, für die Solidarität mit Geflüchteten, gegen den Faschismus, beim Klassenkampf im Betrieb oder für das Recht auf Wohnung, wo auch immer es Unrecht gab, war Ivana bereit dem entgegenzutreten.

DIE UNBEGRENZTE REVOLUTIONÄRIN

Als Ivana Hoffmann das begrenzte revolutionäre Leben in Deutschland nicht mehr ausreichte, begab sie sich in die Berge Kurdistans, um sowohl eine militärische als auch eine ideologische Ausbildung zu bekommen. Anschließend ging sie nach Rojava, um sich an der Verteidigung der Revolution der unterdrückten Völker zu beteiligen.

Ihr Leben war sicherlich nicht einfach. Als Schwarze und lesbische Frau erfuhr sie eine Unterdrückung, die so nicht jede:r erfährt, doch auch sie hätte sich in ein halbwegs angenehmes, bürgerliches Leben zurückziehen können.

Ganz bewusst entschied sie sich stattdessen, am Kampf der unterdrückten Völker teilzunehmen und ein revolutionäres Leben zu führen. Sie hat sich dazu entschlossen, ihre internationale Solidarität auf einer höheren Ebene auszuleben und den Kampf gegen den Faschismus in die Wirklichkeit umzusetzen und mit der Waffe zu führen. Sie hat ihren Worten Taten folgen lassen.

Ivana hat sich ganz bewusst geweigert den Grenzen und Beschränkungen, die das bürgerliche Leben uns setzen, anzupassen. Sie hat diese Grenzen eingerissen und ihr eigenes Leben mehr als nur einmal revolutioniert. Sie ließ nicht zu, dass sie im Einflussbereich der Bourgeoisie bleibt. Ivana ließ ihre Schule, Familie und Freund:innen, jegliche Art an Beziehungen hinter sich, begab sich an einen Ort, der ihr total fremd war, übernahm Aufgaben, die sie noch nie erfahren hatte, doch sie hatte keine Angst, denn ihre Gebundenheit zum Kampf für Freiheit und Sozialismus war, ist und bleibt unendlich.

Ivana Hoffmann war eine Kommunistin mit revolutionären Tugenden. Sie fürchtete weder Schwierigkeiten noch Niederlagen; sie ging keinen Schritt zurück. Sie zögerte nicht, ihre eigenen Interessen und vor allem ihr eigenes Leben für die Revolution zu opfern. Dies ist ein klarer Ausdruck revolutionärer Moral. Allein das macht sie zu einem unsterblichen Vorbild für viele von uns.

Ivana hat es nicht nur geschafft ihr eigenes Leben zu revolutionieren, sondern auch ihr gesamtes Umfeld.

MÄRTYRER:INNEN DER REVOLUTION SIND UNSTERBLICH

Weltweit werden antifaschistische Kämpfe geführt; egal ob hier in Deutschland, in der Türkei, in Kurdistan, in Palästina, Kolumbien oder auf den Philippinen. Es ist klar, dass der Faschismus nicht nur in Deutschland stärker wird. Wir erleben eine Zeit, in der der Faschismus in der Offensive ist und in einigen Ländern sogar schon die herrschende Rolle übernommen hat.

Ivana hatte schon verstanden: Der Kampf gegen den Faschismus muss international geführt und gedacht werden. Sie hatte vertanden, dass wir aus den Kämpfen, die in anderen Ländern geführt werden, lernen müssen; lernen, welche Erfahrungen gemacht werden, welche Erfolge oder Misserfolge erzielt wurden; was hat geklappt und was ist gescheitert?

Ausdruck all jener Kämpfe sind Ivana und all die anderen Genoss:innen, die bereit waren ihr Leben für diesen Kampf zu geben. Sie waren bereit weiter zu gehen als die meisten anderen von uns, sie waren diejenigen, die den Kampf auf eine neue Stufe gebracht haben.

Den Kampf den sie geführt haben, müssen wir also weiterführen, weiter voran bringen und nicht zulassen, dass ihr Erbe stirbt und ihr Kampf umsonst war. Erst dadurch, dass wir ihren Kampf weiter führen, den Kampf für den sie ihr Leben gelassen haben, werden sie unsterblich und leben somit in unserem Kampf weiter!

IN UNSEREM KAMPF LEBT IVANA!

Für uns heißt das, an Ivana und alle anderen zu erinnern, die unsterblich geworden sind und zu versprechen, dass wir ihren Kampf niemals aufgeben werden! Es heißt jeden Kampf den wir führen zu entwickeln und zu intensivieren. Nicht nur in Bezug auf den Klassenkampf, sondern auch bezüglich des revolutionären Lebens; wir müssen uns selbst weiterentwickeln und auch unser Bewusstsein auf immer höhere Stufen heben!

Sechs Jahre sind es nun, doch egal ob sechs, zehn oder hundert Jahre; wir werden nicht aufhören zu kämpfen; wir werden nicht einen Schritt zurückgehen, denn nur in unserem Kampf können Ivana und alle anderen unserer unsterblichen Genoss:innen weiterleben!