1 Jahr nach George Floyd: auf die herrschenden ist kein Verlass!

George Floyds Name ist inzwischen auf der ganzen Welt bekannt. Am 25. Mai jährt sich der Mord an dem schwarzen US-Amerikaner durch Polizisten in Minneapolis zum ersten Mal. Als Antwort entbrannten vor knapp einem Jahr globale Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Viele dieser Stimmen sind mittlerweile wieder verstummt, es wurden performative Posts und leere Worte veröffentlicht. Versprochene Polizeireformen erwiesen sich als Lüge. Für Schwarze Menschen hat sich die Lebensrealität noch immer nicht verbessert, denn der Kapitalismus, welcher sie mit Instrumenten wie Polizeigewalt und Rassismus strukturell unterdrückt, existiert noch immer.

Unsere Stimme ist jedoch nicht verstummt. Wir kämpfen weiter dagegen!

In unzähligen Medien wurde die Verurteilung Derek Chauvins, dem Mörder Floyds, als ein enormer Erfolg für den Antirassismus gefeiert. Die Verurteilung eines Polizeibeamten ist leider eine Seltenheit, die zurecht zelebriert werden sollte. Wir müssen uns jedoch auch klarmachen, dass dieser eine Gewinn nicht zur Norm werden kann, solange das rassistische, kapitalistische System auf die Ausbeutung und Unterdrückung von Schwarzen Menschen angewiesen ist. Wie sonst soll es Kapitalisten gelingen ihren riesigen Reichtum zu erreichen, wenn nicht durch das strukturelle Ausbeuten? Würden die bürgerlichen Institutionen wirkliche Gerechtigkeit für migrantische und insbesondere Schwarze Personen wollen, würden die Mörder von Breyonna Taylor, Elijah McClain und Christy Schwundeck, um nur ein paar von Tausenden zu nennen, ebenfalls verurteilt sein. Dann wären auch die Morde des NSU, die Morde an Oury Jalloh und den neun Menschen in Hanau würdevoll ermittelt und aufgeklärt worden. In Realität setzt die Verurteilung Derek Chauvins ein schwaches Zeichen vonseiten der staatlichen Institution. Sie sagen damit aus, dass sie dieses eine Mal bereit sind, einen ihrer Eigenen zu opfern, um die Masse der Menschen zum Schweigen zu bringen. Doch was ist eine in den Medien weitverbreitete Verurteilung wert, wenn dieselben Institutionen weiterhin mithilfe die Polizei oder an den Grenzen morden?

Ein Beweis hierfür ist der Mord an Daunte Wright, einem Schwarzen Mann, welcher zur Zeit des Gerichtsverfahrens gegen Chauvin nur zehn Meilen außerhalb Minneapolis geschah. Dieselbe Stadt, in der Floyd ermordet wurde und sein Mörder vor Gericht stand. Die Polizeibeamten wurde inzwischen wegen Totschlag verurteilt, doch Wright hat trotzdem bei einer einfachen Polizeikontrolle sein Leben verloren. Was ebenso performativ ist wie ein schwarzes Quadrat auf Instagram zu posten, um danach regulär weiterzuleben als wäre nichts geschehen, ist die Geste des US-Präsidenten Biden, Floyds hinterbliebene Familie zu seinem Todestag in das Weiße Haus einzuladen. Während seine Regierung die zunehmende Armut der Schwarzen Bevölkerung regelrecht ignoriert und zur gleichen Zeit Menschen an den Grenzen von ihren Familien getrennt oder aus dem Land abgeschoben werden. Sich für marginalisierte Gesellschaftsgruppen einzusetzen würde bedeuten, dass man Geld von Konzernen und Militär oder Polizei wegnehmen müsse. Stattdessen sorgt man jahrzehntelang durch Polizeigewalt und Unterfinanzierung ihrer Gemeinschaften für die Unterdrückung, insbesondere schwarzer Menschen zugunsten von Kapitalisten.

Auch in Deutschland ist dieses Phänomen wiederzufinden. Der Name Christy Schwundeck sollte uns allen bekannt sein. Eine Schwarze migrantische Frau, dessen Todestag sich am 19.05.2021 zum zehnten Mal jährte, die in diesem Land psychische Leiden erfuhr, für das Recht ihre Tochter zu sehen kämpfen musste und am Ende wegen fehlender Sozialhilfe hungernd und ohne Geld zum Jobcenter fuhr, in dem sie von der Polizei erschossen wurde.

Ob also in den USA oder in Deutschland, überall wo der Kapitalismus herrscht, werden BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) strukturell unterdrückt und ausgebeutet für den Profit weniger Kapitalisten, denen das Leben dieser Menschen vollkommen gleich ist. Während wir George Floyd gedenken und die Urteile aller zur Rechenschaft gezogenen Täter:innen rassistischer Morde feiern, dürfen wir die Strukturen, welche diese zulassen nicht vergessen. Lasst uns ihnen weiter entgegenhalten!

BLACK LIVES MATTER!

Kein Frieden der Apartheid: Palästina im Widerstand

Palästina und Israel machen jetzt schon seit mehr als einer Woche selbst in den bürgerlichen Medien wieder Schlagzeilen, doch tippt man in die News-Anzeige bei Google »Israel« oder »Palästina« ein, sind auf der ersten Seite ausschließlich Artikel mit Titeln wie »Der Raketenhagel der Hamas«, »Raketenhagel auf Israel« oder »Mehr als tausend Raketen auf Israel« zu finden.

Das lässt einen wahrscheinlich denken, dass Tel Aviv bereits in Schutt und Asche liegen muss, aber die Bilanz der jüngsten »Auseinandersetzungen« zeigt genau das Gegenteil. Von den (Hamas-)Raketen, die als Reaktion auf die Eskalationen in Jerusalem abgeschossen wurden, wurden weit mehr als die Hälfte bereits in der Luft vom israelischen Abfangsystem »Iron Dome« zerstört. Viele weitere der Raketen sind Fehlzündungen und landen oft noch im Gazastreifen selbst. Auf israelischer Seite starben 5 Menschen. Bei den meisten dieser Raketen handelt es sich um primitive Flugkörper mit wenig Sprengkraft und Reichweite, die für die im Gazastreifen regierende Hamas vor allem propagandistischen Wert besitzen.

Der israelische Staat antwortete daraufhin mit massiven Bombardierungen des dicht besiedelten Gazastreifen durch die moderne israelische Luftwaffe. Durch die schon seit über einer Woche andauernden Bombardierungen starben mittlerweile über 200 palästinensische Zivilist*innen und gesamte Nachbarschaften wurden zu Schutt und Asche gebombt. Unter den Zielen war auch ein Medienhochhaus, welches verschiedene ausländische Fernsehsender und Presseagenturen wie z.B. »Al Jazeera« und »Associated Press« hauste. Zur Ausweitung des Militäreinsatzes im Gazastreifen drohte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit den Worten: »Das ist erst der Anfang«, und zur Bombardierung des Medienhochhauses, welches ein klares Kriegsverbrechen darstellt, hatte er nur zu sagen, dass diese »vollkommen legitim« gewesen sei. Währenddessen marschieren bewaffnete zionistische Paramilitärs durch die Straßen verschiedener Städte Israels und lynchen willkürlich Palästinenser*innen. Menschenrechte von Palästinenser*innen spielen hierbei natürlich keine Rolle. Erst recht nicht, wenn Israel den Krieg will. Wer am letzten Freitagabend des islamischen Monats Ramadan bewaffnete Polizisten in die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem schickt, will eindeutig einen Religionskrieg anzetteln.

Konflikt? Besatzung!

Es ist der gleiche Unsinn der Monopolpresse, welcher jedes mal gleich die Interessen der Imperialisten verteidigt, wenn es zu »Auseinandersetzungen« zwischen »den beiden Seiten« kommt. Es ist unfassbar frustrierend sich immer wieder diesen Lügen hinzugeben.

Jedes Mal dürfen wir uns anhören wie die Imperialisten darüber reden, dass es doch eine friedliche Lösung braucht, und das während sie gleichzeitig den Völkermord an den Palästinenser*innen finanzieren und rechtfertigen. Jede einzige Lüge über diesen asymmetrischen »Krieg« ist ein Schlag ins Gesicht der menschlichen Würde und eine Beleidigung für die internationale Gemeinschaft, die behandelt wird wie als wüssten wir nicht was wirklich passiert. Der Imperialismus schafft keine friedliche Lösung! Was wir sehen ist eine koloniale Besatzung des palästinensischen Volkes!

Bei genauerer Betrachtung wird die asymmetrische Natur des sogenannten »Konfliktes« sehr schnell klar und die jüngsten »Auseinandersetzungen« haben dies noch einmal veranschaulicht. Auf der einen Seite ein höchst militarisierter Apartheidstaat, welcher den Interessen der Imperialisten dient, und auf der anderen Seite ein besetztes Volk ohne zentrale Führung, welche sich mit den primitivsten Mitteln zur Wehr setzt, denn im Gazastreifen gibt es kein hochmodernes Raketenabfangsystem wie es das in Israel gibt. Was wir in Palästina sehen können, ist kein »Konflikt«, »Krieg« oder eine »Auseinandersetzung«, sondern ein Volk, welches sich gegen einen siedlerkolonialistischen Besatzerstaat zur Wehr setzt. Wie der palästinensische Revolutionär und Kommunist Ghassan Kanafani bereits sagte: »Es ist kein Konflikt. Es ist eine Befreiungsbewegung, die für Gerechtigkeit kämpft.« Wie Bertolt Brecht sagte: »Der reißende Fluss wird gewalttätig genannt. Aber das Flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig.«

Die andauernde Nakba

Die Auslöser der jüngsten Massaker durch den israelischen Staat waren die verschärfte Kolonialpolitik in der Westbank und die fortlaufende Zwangsräumung der Palästinenser*innen aus ihren Häusern im Ostjerusalemer Viertel Sheikh Jarrah. Doch es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein, dass die Massaker, Vertreibungen und auch die Brutalität des israelischen Staates nichts neues ist.

Der 15. Mai gilt als der Nakba-Tag; ein Tag an dem für das Schaffen des israelischen Staates hundert tausende von Palästinenser*innen vertrieben und massakriert wurden. Auch am vergangenen 15. Mai waren sowohl wir als auch weltweit Menschen auf den Straßen, um diesem »Ereignis« zu gedenken, doch die Nakba ist kein einfaches Ereignis, welches mal vor 73 Jahren vorkam. Die Nakba ist andauernd. Die Vertreibung, die Massaker und der Völkermord haben nie aufgehört und haben auch nicht erst vor einer Woche angefangen. Israels Politik des gezielten Töten von Zivilist*innen, der ethnischen Säuberung, der rassistischen Segregation, des Festnehmens und Folterns von Palästinenser*innen und viele weitere Gräueltaten werden immer und immer wieder dokumentiert, doch Menschen tun sich immer noch schwer Unterdrücker und Unterdrückte zu benennen. Nennt es was es ist: Siedlerkolonialismus!

Antizionismus ≠ Antisemitismus

Überschattet wurden Palästina-solidarische Proteste vereinzelt von antisemitischen Vorfällen, welche von Faschisten unter dem Deckmantel des Antizionismus getarnt werden. Die Veranstalter*innen der betroffenen Aktionen, »Palästina Spricht«, veröffentlichten daraufhin folgendes Statement, welchem wir uns anschließen:

»Unter Allen, die meinen, sie müssen ihren Antisemitismus unter dem Vorwand der Palästina-Solidarität verbreiten, sei folgendes ans Herz gelegt: Wir brauchen eure “Solidarität” nicht. Wenn Ihr Juden hasst, habt Ihr nichts bei uns verloren. Wir sind für ein freies Palästina, weil wir gegen alle Formen von Unterdrückung und menschenbezogener Feindlichkeit sind. Wir sind gegen den zionistischen Apartheidstaat Israel, aber wir sind auch gegen seine Gleichsetzung mit dem Judentum. Diese Gleichsetzung ist genauso antisemitisch wie der Spruch “Scheiß Juden”. Wir stehen an der Seite der Juden und Jüdinnen, die nun von einigen für die Taten Israels verantwortlich gemacht und angegriffen werden, nur weil sie Juden und Jüdinnen sind. Und wir rufen gleichzeitig dazu auf, die brutale Gewalt, die von Israel ausgeht, und Dutzende Menschenleben kostet, zu verurteilen.«

Es lebe der palästinensische Widerstand!

In der heutigen Welt ist niemand unschuldig, niemand neutral. Ein Mensch ist entweder auf der Seite der Unterdrückten oder er ist bei den Unterdrückern. Wer sich nicht für Politik interessiert, steht für die herrschende Ordnung, die der herrschenden Klassen und der Ausbeuter.

Die palästinensische Revolutionärin und Freiheitskämpferin Leila Khaled sagte eins: »Wer hat in unserer Region Terrorismus gepflanzt? Einige kamen und nahmen unser Land, zwangen uns zu gehen, zwangen uns, in Lagern zu leben. Ich denke, das ist Terrorismus. Mittel einsetzen, um diesem Terrorismus zu widerstehen und seine Auswirkungen zu stoppen – das nennt man Widerstand.«

Diejenigen, die diesen »Konflikt« auf die Hamas und den israelischen Staat reduzieren, haben in etwa das gleiche geopolitische Verständnis wie die Springerpresse. Wir solidarisieren uns mit den Protesten in Gaza gegen die Hamas. Wir solidarisieren uns mit dem aufflammenden Volksaufstand der Palästinenser*innen gegen den Kolonialismus und Imperialismus!

Freiheit für Palästina! Nieder mit dem Imperialismus! Nieder mit dem Kolonialismus! Nieder mit dem Zionismus!

Prozess gegen unseren Genossen: Wir halten zusammen!

Voraussichtlich am 08.06. soll einem unserer Genossen der Prozess wegen der Teilnahme an
Aktionen gegen Nazis und Querdenker gemacht werden.


Am 15.08.2020 wollte die rechtsextreme Partei „Die Rechte“ durch Ingelheim laufen. Antifaschist:innen, auch aus Frankfurt, stellten sich dagegen und versuchten, die Demoroute zu blockieren. Die Cops zeigten schon gleich nach der Ankunft ihre Bereitschaft, Blockaden mit allen Mitteln zu verhindern. Am Bahnhof wurden die Antifaschist:innen in den Tunnel gedrängt und dann dort für kurze Zeit eingekesselt und mit Pfefferspray angegriffen. Danach wurden die Antifaschist:innen unter Gewaltanwendung auf die angemeldete Kundgebung gedrängt und dort wieder eingekesselt. Hier kam es auch vermehrt zu grundlosen Angriffen auf Antifaschist:innen und sogar die Sanitätsstelle der Demonstration-Sanitäter*innen wurde einfach von den Cops umgerannt. Die Cops versuchten hier scheinbar möglichst viele Antifaschist:innen zu verletzten, denn am Ende des Tages gab es mehr als 100 Aktivist:innen mit verschiedenen Verletzungen.

Trotz diesen repressiven Maßnahmen konnte verhindert werden, dass die Nazis ihre Route laufen. Sie mussten schon nach wenigen Metern umdrehen, da andere Antifaschist:innen es schafften, auf die Route zu gelangen. Unserem Genossen wird vor allem im Zusammenhang mit seiner Festnahme Körperverletzung, tätlicher Angriff und Widerstand vorgeworfen. Bei der Festnahme gingen die Cops mit besonderer Aggression vor und verwendeten auch mehrmals Schmerzgriffe. Dieselben Vorwürfe wurden im Zusammenhang mit den Blockaden gegen die Querdenker-Demonstration am 14.11.2020 wiederholt.


Auch dort zeigten die Cops deutlich wieder, auf wessen Seite sie stehen. Mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Knüppeln versuchten sie, die entstandenen Blockaden zu räumen.
Unser Genosse lief hinter dem Wasserwerfer her, der gerade eine Blockade räumte, als ein Bulle ihm ins Gesicht schlug. Danach wurde er bei einer Blockade von den Cops herausgezogen und weggetragen. Dabei stürzten die Cops mit unserem Genossen und als er auf dem Boden festgehalten wurde, knieten die Cops mehrmals auf dem Hals unseres Genossen. Es ist unglaublich, dass Frankfurter Cops dieselben Methoden bei Antifaschisten weiter skrupellos anwenden, die seit langem als Folter und Unmenschlich in der Kritik stehen und sogar zum Tod führen können. Während hessische Cops in Kassel Herzchen-Fotos mit Querdenkern machen, prügeln sie auf Antifaschist:innen ein ohne mit der Wimper zu zucken.


Bei dem Vorgehen der Cops gegen die Antifaschist:innen und auch gegen unseren Genossen sollten andere durch die Gewaltanwendung abgeschreckt werden. Doch uns ist klar, dass es legitim ist, sich Faschisten und anderen reaktionären Ideologien in den Weg zu stellen. Wir lassen uns in unserem Widerstand weder von der Gewalt der Cops noch von den Repressionen des Staates abhalten. Wir werden nicht schweigen. Wir werden die Heuchelei dieses Staates, seine Gewalttätigkeit offen anklagen und rufen alle Antifaschist:innen dazu auf, Solidarität mit dem Genossen zu zeigen!

Kampf ihrer Klassenjustiz!

Kommt am 08.06. um 10 Uhr zum Amtsgericht Hammelgasse 1 zum Saal 16_E und zeigt eure Solidarität gegen ihre Repression!

Aus Israel – Palästina: Solidaritätserklärung mit Young Struggle

Anmerkung: Unabhängige kommunistische Jüd:innen aus Israel – Palästina verfassten ein Solidaritätspapier mit Young Struggle im Kontext der Konflikte mit Zionisten in den Migrantifa Strukturen. Die Übersetzung erfolgtedurch LinkePoC, eine Organisation von BIPOC aus der Schweiz, welche auch jüdische Genoss:innen, und verschiedene Perspektiven, einschliesst.

Wir möchten unsere Solidarität mit unseren Genoss:innen von Young Struggle äussern. Wir verurteilen nachdrücklich deren Ausschluss aus den Aktivitäten der Migrantifa Stuttgart. Antisemitismus ist in der Tat eine der Grundpfeiler des europäischen und US-amerikanischen Kapitalismus, und unserer Meinung nach erhält er nicht von allen Seiten die Aufmerksamkeit, die er haben sollte. Wir möchten jedoch betonen, dass die Kritik am jüdischen Nationalismus für sich genommen nicht antisemitisch ist, und dass der gemeinsame Kampf gegen jede Form von unterdrückendem Nationalismus und Kolonialismus – wie etwa auch dem türkischenNationalismus – nicht nur im Interesse der unterdrückten Bevölkerung der jeweiligen Form von Nationalismus liegt(wie dem palästinensischen oder kurdischen Volk), sondern,dass dieser Kampf auch im Interesse des jüdischen, türkischen Proletariats usw. liegt.

Fotos von den schreibenden Genoss:innen, 1. Mai Nazareth

Über Antisemitismus und das israelische Regime

Immer wieder stellt sich innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung die Frage des Antisemitismus,sowie seiner Beziehung zum palästinensischen Kampf für grundlegende Menschen- und Gemeinschaftsrechte. Und es ist höchste Zeit, dass wir, unabhängige Kommunist:innen jüdischer Herkunft in Israel-Palästina, diese Probleme ansprechen und versuchen, einen Grossteil der Mystik um diese Themen zu zerstreuen.

Antisemitismus geht der Bourgeoisie voraus. Er existiertebereits in feudalen Zeiten und war eine wichtige Säule des ideologischen Überbaus der Kirche. Die Bourgeoisie erbte ihnund nahm ihn auch als wesentlichen Teil seiner Ideologie auf. Er ist somit ein wesentliches Element der europäischen Kultur. Das materielle Interesse der herrschenden Klassen in den letzten zwei Jahrtausenden an ihm bestand darin, einAblenkungsmanöver auszuüben, um den Klassenzorn von Bäuer:innen und Arbeiter:innen gegen Jüd:innen, und nicht gegen die eigentlichen Unterdrücker – die Bosse – zu lenken. Dies ermöglichte es der tatsächlichen europäischen herrschenden Klasse, die keineswegs jüdisch ist, sich dem Klassenkampf der Massen zu entziehen.

Antisemitismus ist auch älter als der biologischer Rassismus, wurde aber natürlich von den modernen biologischen Rassist:innen, insbesondere von den Nazis, begeistert angeeignet.

Im heutigen amerikanischen Diskurs ist es üblich, Jüd:innenin die „weisse“ (europäische) „Rasse“ einzuschliessen, und Jüd:innen mit nichtjüdischen Europäer:innen zu verschmelzen. Diese Denkrichtung führt oft dazu, dass sich antisemitische Lügen einschleichen, insbesondere wenn Jüd:innen für verschiedene Dinge verantwortlich gemacht werden, die nichtjüdische Europäer:innen getan haben, wie zum Beispiel die Sklaverei. Die trägt auch zur jahrhundertealten antisemitische Idee bei, dass Jüd:innen„Privilegien“ haben, dass sie alle reich sind und so weiter.

Es ist auch üblich, dass sich antisemitische Personen hinter der falschen Unterstützung des (gerechten) palästinensischen Kampfes gegen das israelische Regime verstecken. Es ist in der Tat so, dass das israelische Regime rassistisch und faschistisch ist, und Palästinenser:innen sowohl als Individuenals auch als Gemeinschaft unterdrückt. In der Tat versuchten Teile der zionistischen Bewegung, die europäische „weisse“ Identität und die koloniale Haltung nachzuahmen. Dies macht Jüd:innen jedoch nicht weiss.

Solche Einstellungen dienen dem israelischen Regime dazu, dass es dann jede gegen ihn erhobene Kritik leicht als „Antisemitismus“ bezeichnen kann. Alle israelischen Jüd:innen als faschistische Kolonisator:innenen zu malen bedeutet jedoch, eine mechanische, nationalistische und sachlich falsche Position einzunehmen. Die jüdische Arbeiter:innenklasse in Israel-Palästina ist keine Gruppe „weisser“ Kolonisator:innen. Teile davon wurden für faschistische Positionen gewonnen, ja, aber viele eben nicht.

Viele Linke sind auch in die rechte, reaktionäre, antisemitische Falle geraten, indem sie behaupten, Jüd:innenseien erstranging gegenüber Israel loyal und für seine Handlungen verantwortlich, was impliziert, dass Jüd:innen der Gesellschaft, in der sie leben, fremd sind, oder sogar ihr gegenüber verräterisch sind. Jüd:innen ausserhalb Israels sind weder für die Handlungen des israelischen Regimes verantwortlich, noch sind dies die vielen israelischenJüd:innen, welche gegen dieses Regime sind. Jüd:innen mit dem israelischen Regime zu verschmelzen, ist ein gängiger antisemitischer Trick, der dem israelischen Regime wiederum ironischerweise dient, indem er ihm erlaubt, zu behaupten, dass jede Kritik an seinen (schrecklichen) Handlungen eine ungerechte Kritik an Jüd:innen als Ganzes ist.

Andererseits muss auch beachten werden, dass die israelische Gesellschaft wie jede andere bürgerliche Gesellschaft,unglaublich rassistisch ist. Dies beschränkt sich keineswegs auf Rassismus gegenüber Palästinenser:innen, sondern schliesst auch Rassismus zwischen verschiedenen jüdischen Ethnien mit ein, insbesondere gegen äthiopische Jüd:innen(Rassismus, der die Haltung der Amerikaner:innen gegen Schwarze nachahmt), sondern auch gegen in Israel lebende russische Jüd:innen. Es gibt auch Rassismus gegen afrikanische Asylbewerber:innen, der wiederum von der in den israelischen Kontext importierten US-Klan-Ideologie inspiriert ist. Viele hier wehren sich gegen diese Formen vonRassismus und gegen das Regime, das diesen verfestigt.

Kommunist:innen müssen sich Rassismus und Antisemitismus widersetzen, wann und wo immer diese ihrenhässlichen Kopf zeigen, egal in welcher Gestalt. Dies ist besonders wichtig im Kontext des palästinensischen Kampfes für individuelle und Gemeinschafts-Rechte gegen das mörderisch unterdrückende israelische Regime. Kommunist:innen müssen sich klar und offen allen Versuchen widersetzen, alle Jüd:innen für die Handlungen des israelischen Regimes verantwortlich zu machen, und sich den antisemitischen Versuchen klar und offen widersetzen, Jüd:innen als verantwortlich für verschiedene Verbrechen zu bezeichnen, die von nichtjüdischen Europäern im Laufe der Geschichte begangen wurden. Andernfalls wird das israelische Regime gestärkt und es wird unehrlichenantisemitische Elementen gedient, die daran interessiert sind, alle Jüd:innen zu diffamieren.