‚Das internationale Schweigen tötet uns‘ – Türkei startet neuen Angriffskrieg

Derzeit bereitet die Türkei erneut eine militärische Operation gegen Rojava (Westkurdistan) vor. Wie immer begründet das AKP/MHP-Regime die Pläne damit die Region von angeblichen Terroristen zu befreien. Dabei ist der wahre Terrorist der türkische Staat wie der Drohnenangriff in Kobanê, der Einsatz von Chemiewaffen durch die türkische Armee in Başur (Südkurdistan) und an zahlreichen weiteren Orten oder unzählige weitere Aggressionen der letzten Wochen und Monate zeigen.

Seit 2016 führt die Türkei immer wieder völkerrechtswidrige Angriffskriege und versucht die kurdischen Gebiete zu besetzen. Der faschistischen Türkei ist dabei jedes Mittel recht: Seit einigen Monaten finden immer häufiger Giftgasangriffe statt um den Taktiken der Guerilla Herr zu werden. In den letzten 5 Monaten fanden so unter den verschlossenen Augen der Weltöffentlichkeit 138 Giftgasangriffe statt. Erst diese Woche sind in Werxelê vier Kämpfer:innen durch den Einsatz von Giftgas gefallen. Auch die deutsche Regierung bleibt bei den Angriffen still. Die Kriegsstrategie der Türkei stellt uns dabei vor die Herausforderung, dass wir uns nicht auf einen ‚Tag X‘ Vorbereiten können, sondern es mit einer kontinuierlichen Kriegsführung zu tun haben. Der türkische Staat handelt in Zeiten, in denen er nicht mit einer großangelegten Offensive versucht Gebiete zu besetzen, sondern nach einer Strategie des Krieges niedriger Intensität.

Da die jüngsten Angriffe in Başur, bei denen illegale Chemiewaffen eingesetzt wurden, nicht den gewünschten Erfolg für die Türkei bringen, rückt jetzt erneut Rojava ins Visier. Wie in den vergangenen Jahren nimmt die Türkei auch heute wieder angebliche Angriffe der YPG als Vorwand, um ihre Angriffe zu rechtfertigen. Auslöser für die Ankündigungen der türkischen Regierung sei der Tod von zwei türkischen Polizeibeamten in der illegalen Besatzungszone. Erdogan will ohne Beweise die YPG verantwortlich machen. Nun spricht er vom „letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, um die neuen Aggressionen zu legitimieren. Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) weisen diese Anschuldigungen entschlossen zurück, denn von Rojava geht keinerlei Aggression aus. In Wirklichkeit will Erdogan diesen Krieg führen, um seine innenpolitischen Interessen zu verfolgen, um von den Problemen in der Türkei abzulenken und um seine Macht in der Türkei zu sichern. Seit Monaten hängt die türkische Wirtschaft am Tropf internationaler Gelder und kann durch staatliche Bauvorhaben nur auf Pump am Leben gehalten. Die türkische Lira ist schon lange im freien Fall und die Bevölkerung in der Türkei bekommt die Auswirkungen der Krise besonders stark zu spüren. Außerdem argumentiert der Außenminister für den türkischen Alleingang, indem er Russland und den USA vorwirft sich nicht an Vereinbarungen zu halten. Trotzdem kann die Türkei nicht ganz auf Unterstützung verzichten und kündigt an Hilfe von Dschihadistenmilizen, wie der sogenannten „Syrischen Nationalarmee“ anzunehmen.

Die Angriffe der türkischen Armee nehmen in den letzten Tagen drastisch zu.  Am Wochenende kam es zu Artillerieangriffen von den türkischen Besatzungstruppen und ihren dschihadistischen Verbündeten. Dabei greifen verschiedene Dörfer in Rojava mit schweren Waffen an. Auch vor Drohnenangriffen schreckt die Türkei nicht zurück. Allein diese Woche sind fünf Menschen durch türkische Killerdrohnen in Kobanê getötet wurden, darunter sowohl Kämpfer:innen der Demokratischen Kräfte Syriens als auch Zivilist:innen. In Rojava sieht man eine ähnliche Gefahr wie vor der Efrîn-Invasion 2018. Ein Sprecher der YPG warnt außerdem vor einer möglichen Kooperation der Türkei mit dem syrischen Regime oder sogar Russland. Es ist denkbar, dass Erdogan bereits Absprachen mit Assad getroffen hat, da beide ein großes politisches Interesse an der Destabilisierung der Region haben.

Doch die täglichen Angriffe, sowie Erdogan Einschüchterungsversuche können den Willen der Kurd:innen in Rojava nicht brechen. Diesen Samstag versammelten sich tausende auf den Straßen Efrîns, um gegen die Drohungen des türkischen Invasionsstaats zu protestieren und Widerstand anzukündigen. Die Bevölkerung sieht auch die internationale Öffentlichkeit und vor allem den Westen in der Verantwortung. Täglich mordet die Türkei, begeht Kriegsverbrechen, aber die Medien und die Politik schweigen. Dieses Schweigen fordert täglich neue Opfer in Kurdistan.

Beteiligt euch an den Aktionen am Tag der Invasion auf den Straßen! Bijî Rojava! Lang lebe die Rojava Revolution!